MobilCom: Im Kern nicht gesund - DER SPIEGEL
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MobilCom Im Kern nicht gesund

Die Quittung für sein beherztes Einschreiten bekommt Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wohl erst nach der Wahl. Die Chancen für ein Überleben des Büdelsdorfer Mobilfunkers MobilCom sind eher gering.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Unter Fachleuten ist der Unternehmenswert des Büdelsdorfer Mobilfunkers MobilCom   derzeit schnell ausgerechnet: Ein Euro plus die Zusicherung, einen Teil des Wertzuwachses abzuliefern, sollte die Sanierung des Unternehmens gelingen (Besserungsschein genannt).

Ein Blick auf die Halbjahreszahlen lässt deutlich werden, wo die Fallstricke liegen: Selbst in seinem Kerngeschäft als Mobilfunk-Serviceprovider, also als Vertreiber von Mobilfunkverträgen anderer Anbieter, erwirtschaftete MobilCom rund 43 Millionen Euro Verlust. Diese Summe konnte mit den Gewinnen im Bereich Festnetz/Internet in Höhe von 43,4 Millionen gerade einmal kompensiert werden.

"Selbst wenn man also die Verlustbringer "UMTS" und "Sonstiges", etwa das Engagement bei ComTech, ersatzlos streichen würde, wäre MobilCom weit davon entfernt, ein solides Unternehmen zu sein", sagt Bernd Jäger. Die Ankündigung von MobilCom-Chef Thorsten Grenz, im nächsten Jahr wieder Gewinne zu schreiben, hält der Bonner Telekommunikationsberater für zu optimistisch. Die Altlasten, die sich aus dem bisherigen Geschäftsverlauf ergäben, seien einfach zu schwerwiegend. Dazu zählt nach Ansicht von Jäger nicht zuletzt der Personalbestand: "Das was bei MobilCom das Kerngeschäft darstellt, schaffen Konkurrenten mit einem Bruchteil von Mitarbeitern".

Debitel etwa bediene 7,3 Millionen Kunden in Deutschland mit 2000 Mitarbeitern. MobilCom mit seinen rund fünf Millionen Mobilfunkkunden plus vier Millionen Festnetz- und Internetkunden beschäftigt 5000 Leute. Grenz müsste also nicht ein paar Hundert, sondern eher Tausende entlassen. Das aber wäre, abgesehen von der politischen Durchsetzbarkeit, extrem teuer und würde die Bilanz erheblich belasten.

Auch aus dem UMTS-Abenteuer wird MobilCom nicht so leicht herauskommen. Zwar hat France-Télécom-Finanzchef Jean Louis Vinciguerra zugesichert, die knapp sechs Milliarden Euro Schulden zu übernehmen. Der Betrag wird in eine Anleihe der France Télécom umgewandelt, die die Banken frühestens in drei Jahren in Aktien der Telefongesellschaft umtauschen können. Doch gleichzeitig wies ein Unternehmenssprecher darauf hin, dass damit für MobilCom kein Schuldenerlass verbunden ist. Für die Büdelsdorfer ändert sich also nur die Kontonummer, auf die sie die monatlichen Zinsen und Tilgungsbeiträge in Höhe von 30 bis 40 Millionen Euro überweisen müssen - eine Summe, die das Unternehmen aus dem laufenden Geschäft niemals begleichen kann.

Damit nicht genug: Auch die langfristigen Mietverträge für die UMTS-Sendestationen - bislang hat MobilCom nach eigenen Angaben rund 3600 Standorte angemietet - lassen sich wahrscheinlich nicht so einfach stornieren. Die Miete dafür beträgt nach Schätzungen mehr als 40 Millionen Euro pro Jahr.

Unter diesen Bedingungen winken auch die Konkurrenten ab, wenn es um ein denkbares Zukunftsszenario geht, dass Grenz dieser Tage beschrieb. Man könne ja das UMTS-Geschäft mit einem anderen Anbieter zusammenlegen. Doch bisher hat Debitel, der größte Mobilfunk-Serviceprovider in Deutschland, ebenso wenig Interesse, an einem Einstieg bei Mobilcom, wie der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa. Allein die Übernahme der Kunden könnte Debitel interessieren, hieß es.

Unter diesen Bedingungen wird selbst nach dem Übergangskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Land Schleswig-Holstein eine Insolvenz wohl unvermeidlich sein. Über das schlechte Image der Büdelsdorfer in Fachkreisen macht sich Vorstandschef Grenz offenbar nur wenig Illusionen. Pointiert schloss er seine Auführungen über die möglichen Szenarien einer Zukunft für MobilCom mit dem Appell, man brauche nun einen Freund als Insolvenzverwalter und keinen Abwickler.