MobilCom Jetzt geht's ums Überleben
Paris/Büdelsdorf - Wie weit Mr. MobilCom sich aber inzwischen von der Realität entfernt hat, lässt sich an seiner Antwort auf die Frage der Journalisten des Magazins "Focus-Money" erkennen, zu welchem Preis er seine Aktien an seinen französischen Geschäftspartner verkaufen würde: "Die in den Medien genannten elf bis 17 Euro sind eine realistische Untergrenze."
Die Börsianer waren dagegen ganz anderer Auffassung. Die Aktie des Büdelsdorfer Mobilfunkers verloren in den ersten Handelsstunden mehr als 50 Prozent ihres Wertes. Würde Schmid seine Papiere auf dem Frankfurter Parkett verkaufen, bekäme er gerade noch 2,15 Euro dafür.
Den Grund dafür lieferte ein Bericht der Pariser Tageszeitung "Le Figaro". Danach organisiert France-Télécom-Chef Michel Bon bereits seinen Ausstieg bei MobilCom. Allem Anschein nach habe Bon die Verantwortlichen im französischen Wirtschaftsministerium überzeugt, dass ein Ende mit Schrecken allemal besser sei als Schrecken ohne Ende. Aus seiner Perspektive wäre dieser Schritt nur konsequent. Bon hatte wiederholt gesagt, France Télécom könne nicht um jeden Preis bei MobilCom engagiert bleiben. Die Franzosen halten 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Telekom-Unternehmen. Die mit etwa 70 Milliarden Euro verschuldete France Télécom, noch zu 54 Prozent in staatlicher Hand, will an diesem Donnerstag in einer Verwaltungsratssitzung über die künftigen Pläne für MobilCom beraten.
Sollten die Franzosen ihr Engagement also wirklich beenden, geriete MobilCom in ernste finanzielle Schwierigkeiten: Am Dienstag hatte der finnische Handy-Hersteller Nokia dem deutschen Unternehmen zugesagte Lieferantenkredite gestrichen. Eine Lösung für die Verbindlichkeiten von MobilCom bei den Zulieferern Nokia und Ericsson in Höhe von 1,1 Milliarden Euro gehört zu den Forderungen des französischen Telekommunikationskonzerns. Nach Auskunft eines Unternehmenssprechers wäre dann ein Insolvenz-Verfahren unvermeidbar.
MobilCom-Gründer Gerhard Schmid war sich im Gespräch mit dem "Figaro" am Dienstag allerdings sicher, dass die Franzosen im deutschen Markt bleiben wollten. "Ich bin davon überzeugt, dass France Télécom MobilCom nicht fallen lassen wird", sagte er.
Inwieweit seine siebte Put-Option, die er am Dienstag bei Gericht angemeldet hat, das Klima in dieser Hinsicht günstig beeinflusst bleibt allerdings offen. Mit diesen Put-Optionen kann Schmid die France Télécom zwingen, Aktien aus seinem Bestand zu übernehmen. Auslöser sei die Berufung von Ulrich Kalthoff zum stellvertretenden Vorstandsmitglied gewesen. France Télécom hätte diese laut Vertrag mit ihm abstimmen müssen.