MobilCom-Krise: Die Schlammschlacht geht weiter - DER SPIEGEL
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MobilCom-Krise Die Schlammschlacht geht weiter

MobilCom-Gründer Gerhard Schmid will sich nicht unterkriegen lassen. Er beschimpfte den einstigen Partner France Télécom als "Kolonialherr auf einer Bananenplantage" und kündigte eine Milliardenklage an. In Paris dagegen wird Schmid für das Scheitern der Zusammenarbeit verantwortlich gemacht.
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Hamburg - Schmid warf dem französischen Expartner vor, dass dieser sich aus der Verantwortung stehlen wolle. "Jetzt müssen die Gerichte über das nach meiner Meinung skandalöse und rechtsbrecherische Verhalten von France Télécom urteilen", sagte er auf einer Pressekonferenz. Schmid drohte im Falle einer Insolvenz von MobilCom  an, die Franzosen auf Schadenersatz zu verklagen. Die Summe nannte Schmid am Freitag in Hamburg nicht, "aber Milliarden sind es allemal", sagte er. Er forderte die Bundesregierung auf, gemeinsam mit der französischen Regierung nach Lösungen zu suchen, um die mehr als 5000 Arbeitsplätze zu retten. "MobilCom hat eine Chance, wenn jetzt schnell gehandelt wird", sagte er. France Télécom habe sich verhalten wie ein "Kolonialherr auf einer Bananenplantage".

France Télécom dagegen gab die Schuld vor allem Firmengründer Gerhard Schmid und der deutschen Regierung. "Wir haben alles versucht, mit jedem gesprochen. Wir haben monatelang um eine Lösung gerungen", sagte der Finanzvorstand von France Télécom  , Jean-Louis Vinciguerra, am Freitag bei einer Telefonkonferenz in Paris. "Letztlich mussten wir aufhören, Geld für nichts auszugeben."

Die Marktaussichten für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS hätten sich in Deutschland stark verschlechtert, dennoch seien Regierung und Behörden nicht bereit gewesen, Zugeständnisse zu machen und eine Fusion der UMTS-Anbieter zu ermöglichen. "Diese Absicht wurde blockiert." Bei einer Fusion mit einem anderen UMTS-Partner wäre die mit MobilCom für mehr als acht Milliarden Euro erworbene UMTS-Lizenz verloren gegangen.

MobilCom-Großaktionär Schmid habe nichts getan, um eine Lösung zu erleichtern, sagte Vinciguerra. "Herr Schmid war ein sehr schwieriger Partner". Mehr als sieben Milliarden Euro des Rekordverlusts von France Télécom im ersten Halbjahr entfielen auf MobilCom. Darin seien 900 Millionen Euro auch für alle juristischen Unwägbarkeiten enthalten, sagte Vinciguerra.

Nach monatelangem Zögern hatte der französische Konzern, der 28,5 Prozent an Mobilcom hält, beschlossen, weder weiteres Geld zu überweisen noch ein Übernahmeangebot an die Aktionäre zu machen. France Telecom schrieb noch einmal 7,3 Milliarden Euro wegen des Mobilcom-Desasters ab und wies für das erste Halbjahr ein Rekorddefizit von 12,2 Milliarden Euro aus.

In Berlin sagte Regierungssprecherin Charima Reinhardt, Bund und Land Schleswig-Holstein würden im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles dafür tun, "um eine Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen, beispielsweise durch die Gewährung von Bürgschaften". Die Bundesregierung habe "nachdrücklich" bei der französischen Regierung dafür geworben, dass France Télécom ihre vertraglichen Verpflichtungen einhalte und ihr Engagement auf dem deutschen Markt nicht beendet.