MobilCom-Krise: Mitarbeiter gehen auf die Straße - DER SPIEGEL
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MobilCom-Krise Mitarbeiter gehen auf die Straße

Mit öffentlichen Protesten verstärken die MobilCom-Angestellten den Druck auf MobilCom-Gründer Gerhard Schmid. Weil der sich immer noch weigert, einen Treuhänder-Vertrag zu unterschreiben, stehen Hunderte von Jobs auf dem Spiel.
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Hamburg - Um 13.00 Uhr seien Kundgebungen an den MobilCom-Standorten Büdelsdorf, Erfurt, Hallbergmoos und Karlstein geplant, sagte ein Sprecher der IG Metall. Die Belegschaft werde Schmid außerdem in einem offenen Brief auffordern, den Treuhänder-Vertrag zu unterzeichnen und damit die Rettung des schwer angeschlagenen Unternehmens   zu ermöglichen.

Während Schmid mit der Bundesregierung weiter über die Modalitäten seines Ausstiegs bei MobilCom verhandelt, ist die Zukunft des Telefonanbieters Mobilfunkunternehmens weiter in der Schwebe. Die neue MobilCom-Spitze kündigte jedoch an, sie werden am Mittwoch noch keinen Insolvenzantrag stellen. Einen Kommentar zur jüngsten Entwicklung wollte das Management nicht abgeben. "Das ist Sache von Herrn Schmid", sagte ein Unternehmenssprecher. Er räumte jedoch zugleich ein, dass die Situation für das Unternehmen "sehr ernst" sei.

MobilCom-Hauptaktionär Schmid gab sich bis zuletzt unnachgiebig. Er habe bereits am vergangenen Freitag einen Vertrag unterschrieben, der die Übertragung seiner Aktien an einen Treuhänder regele, sagte er am Dienstag. Die Bundesregierung habe in ihren neuen Entwurf Punkte eingearbeitet, die für ihn unter keinen Umständen akzeptabel seien und die zuvor nicht gefordert worden waren. Diesen Vertrag werde er definitiv nicht unterschreiben. Bei der nun vorgeschlagenen Fassung stört ihn vor allem, dass der von ihm vorgeschlagene Treuhänder Joachim Dreyer nicht von der Bundesregierung akzeptiert wurde. Außerdem will er durchsetzen, dass er seine MobilCom-Anteile jederzeit verkaufen kann.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte sich über den von Schmid unterzeichneten Treuhänder-Vertrag ähnlich geäußert – nur in umgekehrter Richtung. Der MobilCom-Gründer habe in den ausgehandelten Vertrag nachträglich Klauseln eingebaut, die weder für die Bundesregierung noch für den ehemaligen Partner France Télécom akzeptabel seien. Bei dem Streit geht es der Regierung zufolge vor allem um die Frage, ob Schmid nach der Übergabe seiner Aktien noch irgendwelche Stimmrechte ausüben kann. Die Bereitschaft der France Télécom, die rund sieben Milliarden Euro Schulden aus dem UMTS-Abenteuer zu übernehmen, hängt demnach vor allem an der Bedingung, dass Schmid keinerlei Einfluss mehr auf die Unternehmenspolitik nehmen kann.

Der Treuhänder-Vertrag gilt als wichtige Vorbedingung für die Sanierung von MobilCom. Vorher würden die Banken ein dringend benötigtes Darlehen über 100 Millionen Euro nicht freigeben, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Ohne das Darlehen müsste MobilCom sofort Insolvenz , der Rettungsversuch der Regierung wäre damit gescheitert. Eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro, die MobilCom kurz vor der Bundestagswahl erhielt, ist fast aufgebraucht.

An der Börse sorgte die Unsicherheit über die Zukunft von MobilCom weiter für starke Kursschwankungen. Nach herben Verlusten an den Vortagen schoss der Kurs am Mittwoch wieder um knapp vierzehn Prozent auf 4,97 Euro in die Höhe.