MobilCom-Krise Regierung will Schmid mit Kompromiss umstimmen
Hamburg - Konkret geht es um die Frage, wer das 45-Prozent-Aktienpaket von MobilCom-Gründer und -Hauptaktionär Gerhard Schmid treuhänderisch verwalten könnte. "Aus Sicht des Wirtschaftsministeriums wäre eine Tandem-Lösung akzeptabel", erfuhr manager-magazin.de aus Verhandlungs-Kreisen.
Der von der Regierung bestimmte Anwalt Reinhard Freiherr von Dalwigk und der von Schmid favorisierte Ex-Debitel-Chef Joachim Dreyer könnten gemeinsam die treuhänderische Verwaltung des Aktienpakets von Schmid übernehmen. Bisher hat Schmid dieser Lösung noch nicht zugestimmt. In weiteren Punkten, die den Treuhänder-Vertrag betreffen, besteht jedoch Einigkeit zwischen den Parteien.
Wie manager-magazin.de weiter berichtet, will auch die France Télécom in den nächsten Tagen einen Treuhänder für ihre MobilCom-Aktien benennen. Bislang hatte der Vorstand des französischen Unternehmens angekündigt, man wolle sich von dem Aktienpaket (28,5 Prozent) trennen.
Sollte die Einschaltung eines Treuhänders wie geplant umgesetzt werden, wäre damit auch die Gefahr weitgehend gebannt, dass der halbstaatliche Telekommunikationskonzern durch schnelle Verkäufe der MobilCom-Aktien in den nächsten Tagen Kursverluste auslöst.
Zwar sind die MobilCom-Aktien der France Télécom nicht zum Handel an der Börse zugelassen. Trotzdem hätte der Konzern theoretisch Möglichkeiten, auf den Kurs Einfluss zu nehmen. Die Motivation dazu dürfte allerdings gänzlich fehlen, wenn das eigene Aktienpaket für zwei Jahre festliegt. Genau das sieht die Treuhänder-Variante vor.
Unterdessen haben rund 300 MobilCom-Beschäftigte in Erfurt gegen den Großaktionär Gerhard Schmid protestiert. Die Mitarbeiter des MobilCom Service Operation Centers forderten Schmid in einem offenen Brief und zahlreichen Transparenten auf, einen mit der Bundesregierung ausgehandelten Treuhänder-Vertrag zur Unternehmensrettung zu unterzeichnen. Auch an anderen MobilCom-Standorten kam es zu Protestaktionen.
Der Erfurter Betriebsrat Stefan Lieps appellierte an die soziale Verantwortung des Unternehmensgründers. Schmid habe in den vergangenen Jahren nicht schlecht an den Mitarbeitern des Konzerns verdient. Jetzt sei er ihnen die Unterschrift schuldig. "Die Zeit für persönliche Eitelkeiten und private Zockerei ist vorbei", sagte Lieps.
Der Betriebsrat habe nach harten Verhandlungen und schweren Herzens dem einschneidenden Sanierungskonzept der Konzernführung zugestimmt. Etwa die Hälfte der Belegschaft werde damit ihren Arbeitsplatz verlieren. "Diese Maßnahme darf nicht umsonst gewesen sein", sagte der Betriebsrat. Zahlreiche Mitarbeiter trugen auf der Kundgebung Plakate mit Aufschriften wie "Herr Schmid, Sie gefährden unsere Existenz" oder "Unterschreib!!!!".