MobilCom-Krise: Schröder zückt das Scheckbuch - DER SPIEGEL
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MobilCom-Krise Schröder zückt das Scheckbuch

Zum Wahlkampffinale zieht Kanzler Gerhard Schröder (SPD) die Spendierhosen an. Der von der Pleite bedrohte Multimedia-Konzern MobilCom soll offenbar mit einer Millionen-Bürgschaft gerettet werden, und selbst der insolvente Luftschiffbauer Cargolifter darf wieder auf staatliche Hilfe hoffen.
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Hamburg/Berlin/Leipzig - Die Bundesregierung will dem von der Pleite bedrohten Mobilfunkunternehmen MobilCom nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung mit einer Millionen-Bürgschaft aus der Krise helfen. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein wollten kurzfristige Bankkredite bis zu 200 Millionen Euro durch Staatsbürgschaften absichern.

Am Sonntag ist nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums ein Krisentreffen mit Bundeswirtschaftsminister Werner Müller geplant. Für das Gespräch gebe es keinerlei Vorfestlegung, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Müller hat unter anderem Unternehmenschef Thorsten Grenz, den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Bernd Rohwer und Kanzleramtschef Frank Steinmeier nach Berlin eingeladen. Ein MobilCom-Sprecher wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die "Bild"-Zeitung schrieb, nach Angaben aus Kreisen des Aufsichtsrates könne MobilCom mit einer Kreditsumme von 200 Millionen Euro mindestens ein halbes Jahr den Geschäftsbetrieb nahezu ohne Einschränkungen aufrechterhalten und in dieser Zeit ein Sanierungskonzept umsetzen. Damit wäre zudem das Gros der 5500 Arbeitsplätze vorerst gesichert, schrieb das Blatt.

Unterdessen schloss Schröder selbst für den insolventen Luftschiff-Bauer CargoLifter eine finanzielle Unterstützung des Bundes nicht mehr völlig aus. In einem Interview der "Leipziger Volkszeitung" sagte der SPD-Vorsitzende, die Bundesregierung sei bereit, eine Unterstützung für das Unternehmen erneut zu prüfen. Voraussetzung sei, dass sich neue wirtschaftliche Aspekte bei der Firma ergäben. Er bedauere es außerordentlich, dass dieses Unternehmen, das mit einer auch unter ökologischen Gesichtspunkten innovativen Idee gestartet sei, in die finanzielle Schieflage geraten sei, sagte Schröder.

Die Firma mit Sitz im brandenburgischen Brand war Mitte August in Existenznot geraten, nachdem die Bundesregierung bekannt gegeben hatte, dass zuvor beantragte Staatshilfen von 40 Millionen Euro aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht bewilligt werden könnten. Zuletzt wollte der Insolvenzverwalter des Luftschiffbauers mit der britischen Advanced Technologies Group (ATG) über ein Rettungskonzept verhandeln. Das britische Konkurrenzunternehmen ATG steckt aber Zeitungsberichten zufolge selbst in finanziellen Schwierigkeiten und könne deshalb nicht viel Kapital einbringen.