MobilCom Schmid bleibt, die Schlammschlacht geht weiter
Hamburg/Büdelsdorf - Berichte über einen unrühmlichen Rauswurf des MobilCom-Gründers waren offenbar stark übertrieben - oder zumindest verfrüht. Am Freitag nach der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung jedenfalls teilte ein MobilCom-Sprecher mit, das Gremium habe keine Beschlüsse gefasst, die nach den Börsenregeln veröffentlicht werden müssten. Weitere Informationen oder eine Presseerklärung werde es nicht geben.
Seit der Hauptversammlung in der vorvergangenen Woche, bei dem Schmid als einzigem Vorstand mit den Stimmen der France Télécom die Entlastung verweigert worden war, blühten die Spekulationen. Finanzzeitungen berichteten, Schmid solle bei der Sitzung des Aufsichtsrates zum Rücktritt gezwungen werden.
Grund für den Zwist ist ein umstrittenes Optionsgeschäft vor. Dabei geht es um Zahlungen von 68 Millionen Euro an die von Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram geführte Millennium GmbH. Sie wurden in Zusammenhang mit einem Aktienoptionsprogramm geleistet, mit dem MobilCom Händler belohnen wollte. Schmid hatte die Transaktion nicht mit dem Aufsichtsrat abgestimmt. Der Aufsichtsrat wertet das Geschäft als Verstoß gegen das Aktienrecht und soll ultimativ gefordert haben, es zu revidieren.
Schmid hatte vor der Aufsichtsratssitzung der "Financial Times Deutschland" gesagt, noch sei dies nicht geschehen. Seine Frau habe MobilCom aber ein Angebot gemacht. Er sagte weiter, dass es dafür Bedingungen gebe, Details nannte er nicht. Zugleich ging Schmid in die Offensive und betonte, er sehe keinen Grund für einen Rücktritt, denn er habe dem Unternehmen keinen Schaden zugefügt. Vor der Sitzung am Freitag gab es zudem Spekulationen in Unternehmenskreisen, dass einige Mitglieder des zwölfköpfigen Aufsichtsgremiums es nicht für zweckmäßig halten sollen, wenn der Großaktionär Schmid in dieser Situation zurücktrete. Sein Abgang könnte die Arbeitnehmer demotivieren und die Stabilität der Firma gefährden.
Viele Beobachter glauben, dass es bei dem Streit nicht um Recht oder Unrecht geht, sondern um den Preis, den France Télécom für eine Kontrollübernahme bei MobilCom zahlen muss. Schmid hatte sich bereit erklärt, seine Aktien und die seiner Frau - zusammen knapp 50 Prozent der Anteile - zu einem Preis von 22 Euro an France Télécom abzutreten. An der Börse war eine MobilCom-Aktie zuletzt aber nur 15,45 Euro wert. Die hoch verschuldeten Franzosen wollen den von Schmid verlangten Aufschlag offenbar nicht zahlen und die MobilCom-Schulden nicht in ihre Bilanz nehmen. Ein weiterer Streitpunkt ist ein Abfindungsangebot für die freien Aktionäre, das nach Schmids Ansicht unumgänglich ist, das France Télécom jedoch vermeiden möchte.
Die Zukunft des Unternehmens bleibt damit weiter unsicher, weil ein Großkredit über 4,7 Milliarden Euro im Juli ausläuft und nur mit Hilfe von France Télécom verlängert werden kann. Schmid vertritt die Meinung, dass die Franzosen sich vertraglich dazu verpflichtet haben. Falls das Geld jedoch nicht fließt, drohen MobilCom ein Insolvenzverfahren und France Télécom Klagen auf Schadenersatz.