MobilCom Schmid droht mit Rücktritt
Büdelsdorf - Gerhard Schmid will im Streit mit seinem Großaktionär France Télécom in diesem Jahr eine Entscheidung herbeiführen. Entweder werde in Deutschland schnell das UMTS-Netz aufgebaut oder France Télécom müsse MobilCom übernehmen.
Im letzeren Fall, so Schmid, sei dies seine letzte Bilanzpressekonferenz. "Wenn Sie 10, 12 Jahre für ein Unternehmen gearbeitet haben und sehen, dass Bremsklötze kommen und sie diese wegschaffen müssen, macht das keinen Spaß mehr", sagte der MobilCom-Gründer.
Der Vertrag mit dem Franzosen enthalte alles, um eine der Varianten durchzusetzen. Schmid sagte weiter, er wolle keine gerichtliche Auseinandersetzung. Ob es ohne Anwälte geht, ist jedoch fraglich: Schmid möchte den Franzosen seinen 33-Prozent-Anteil unter Berufung auf eine vertraglich vereinbarte Put-Option verkaufen. Die France Télécom, die 28,5 Prozent an MobilCom hält, lehnt dies ab.
Schmids Verkaufsoption: Jetzt oder erst Ende 2003?
Laut den vertraglichen Vereinbarungen zwischen MobilCom und France Télécom besitzt Schmid zwar eine Verkaufsoption, die es ihm ermöglicht, den Franzosen seinen Anteil auch gegen deren Willen zu verkaufen - allerdings erst ab November 2003.
In zwei bestimmten Fällen könnte Schmid seine Option allerdings früher ausüben: Bei unüberwindbaren Differenzen zwischen MobilCom und dem französischen Telekommunikationskonzern oder bei Vertragsbruch. Nach Schmids Ansicht ist mindestens einer dieser Fälle gegeben. Da France Télécom aber bereits erklärt hat, dass ihrer Ansicht keines dieser beiden Szenarien eingetreten sei, dürfte letztlich nur juristisch zu klären sein, wer Recht hat.
MobilCom legt Zahlen vor
Gerhard Schmids einstiges Vorzeige-Unternehmen habe im vergangenen Geschäftsjahr netto einen Verlust von 205,57 Millionen Euro eingefahren, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Im Vorjahr habe der Verlust noch 89,25 Millionen Euro betragen. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ist der MobilCom-Verlust noch höher als von Analysten erwartet.
MobilCom bestätigte, der Bestand des Unternehmens sei gefährdet, wenn die France Télécom ihre Finanzierungszusagen für den Aufbau des UMTS-Netzes nicht erfüllt. So steht es auch in dem am Donnerstag vorgelegten Jahresabschluss.
Vor allem Aufwendungen für UMTS und für den Umbau des Konzerns vom Service-Provider zum UMTS-Netzbetreiber belasteten das Ergebnis. Während das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im Gesamtkonzern auf minus 65,54 Millionen Euro einbrach - nach minus 11,36 Millionen zuvor - war das Ebitda im Kerngeschäft Mobilfunk, Festnetz und Internet mit 27,4 Millionen Euro positiv.
Mobilfunk-Margen im Sinkflug
Auf Grund der im zweiten Halbjahr beginnenden UMTS-Abschreibungen werde der Vorsteuergewinn (Ebit) im Konzern in 2002 noch "deutlich negativer" ausfallen. Diese Ergebnisentwicklung werde sich noch verstärken und über die nächsten Jahre anhalten.
Für 2002 rechnet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit steigenden Umsätzen - und plant im Mobilfunk-Markt überdurchschnittlich zu wachsen. Die Marge im Mobilfunk-Geschäft dürfte aber sinken, so MobilCom.
Im Vorfeld der Bilanzveröffentlichung hatten Experten gesagt, mehr als die Zahlen interessiere, ob der Mobilfunkanbieter den Streit mit seinem zweitgrößten Aktionär France Télécom beilegen könne. MobilCom trägt seit mehreren Wochen öffentlich einen Streit mit France Télécom über deren Finanzierungsverpflichtungen beim Aufbau des UMTS-Netzes aus. Die Unternehmen drohen sich nach Ansicht von Analysten durch den Streit gegenseitig zu blockieren.
Während MobilCom bis Ende 2003 rund 1,4 Milliarden Euro in den Mobilfunkstandard der nächsten Generation UMTS investieren will, verlangt die hoch verschuldete France Télécom die Ausgaben zu strecken. France Télécom ist über ihre Mobilfunktochter Orange zu 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt.