MobilCom Schmid ist raus
Büdelsdorf/Berlin - Am Freitagabend wurde bekannt, dass Großaktionär Schmid, die Firma seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram und der namentlich nicht genannte Treuhänder dem Vertag zur Übertragung des Aktienpaketes zugestimmt haben. Die Schmids hielten gemeinsam bisher knapp die Hälfte der MobilCom-Anteile. Die MobilCom-Aktien vollführten am Abend einen Freudensprung und stiegen teils um 16 Prozent.
Die Transaktion galt als Voraussetzung dafür, dass mit Noch-Anteilseigner France Télécom (FT) ein Kompromiss gefunden werden kann. FT soll rund sieben Milliarden Schulden des Büdelsdorfer Unternehmens übernehmen. Grundsätzlich sollen die Franzosen dazu seit über einer Woche bereit sein, verbindlich zugestimmt haben sie nicht.
"Inakzeptable Forderungen"
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Schmid am Freitag öffentlich unter Druck gesetzt. Der Ex-Mobilcom-Chef weigere sich, dem mit der Bundesregierung ausgehandelten Vertrag zu unterschreiben, hieß es am frühen Abend aus Berlin. Seine Forderungen seien inakzeptabel. Schmid verwahrte sich gegen diese Vorwürfe und betonte, er habe ein Recht, vor einer Übertragung Sicherheiten zu verlangen.
Die Gläubigerbanken hatten MobilCom kurz am Donnerstag vor Ablauf einer Zahlungsfrist ihren UMTS-Kredit über 4,7 Milliarden Euro erneut für weitere zwei Wochen gestundet. Seit Juli war die Zahlungsfrist bereits drei Mal verlängert worden.
Insolvenzgefahr weiter groß
Trotz der Stundung sahen Analysten MobilCom mittlerweile wieder in akuter Insolvenzgefahr. Die zur Abwendung der Zahlungsunfähigkeit im September ausgezahlte Soforthilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 50 Millionen Euro dürfte nach Einschätzung der Experten von SES Research inzwischen nahezu aufgebraucht sein. Lediglich ein rascher Zufluss an weiteren Mitteln könne die Zahlungsunfähigkeit abwenden.
MobilCom soll sich künftig wieder auf den Verkauf von Handys und Mobilfunkverträgen konzentrieren. Unklar ist noch, was mit den bereits gebauten Anlagen für das UMTS-Netz geschieht, in die das Unternehmen bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert hat. Konkurrent E-Plus will gern einen Teil dieser Anlagen übernehmen und dafür auf Millionenforderungen aus einem Dienstleistungsvertrag verzichten. Die UMTS-Lizenz will MobilCom behalten, um für andere Unternehmen als Partner attraktiv zu sein.