MobilCom Schmid will den Machtkampf
Büdelsdorf - Kurz vor der entscheidenden Sitzung versucht Schmid, seinen Job zu wahren, seinen Ruf zu retten - und für seine MobilCom-Aktien einen möglichst guten Preis auszuhandeln. Er sehe "keinen Grund" für einen Rücktritt", sagte Schmid der "Financial Times Deutschland".
Zugleich geht der Vorstandschef in die Offensive gegen den verfeindeten Großaktionär France Télécom: Die Franzosen müssten ihre "vertraglich vereinbarten" Zusagen erfüllen und Schmid, seiner Frau und den anderen Aktionären ein "faires Angebot" für die Übernahme ihrer Aktien unterbreiten. So lange er Vorstandschef sei, werde er dafür kämpfen. Schmid und seine Frau Sybille Schmid-Sindram halten selbst fast 50 Prozent der Aktien. Bisher hatte Schmid bei einer Übernahme der Anteile durch France Télécom 22 Euro pro Aktie gefordert. An der Börse ist das Papier derzeit weniger als 15,3 Euro wert.
Wie Schmid der Zeitung weiter sagte, sei das umstrittene Aktiengeschäft mit seiner Frau noch nicht rückgängig gemacht worden. Seine Frau habe MobilCom aber ein Angebot gemacht. Er sagte, dass es Bedingungen gibt, Details nannte er nicht. Schmid war vom Aufsichtsrat nach Informationen des "Wall Street Journal" ultimativ verpflichtet worden, das Geschäft rückgängig zu machen.
Bei dem Geschäft geht es um Zahlungen von 68 Millionen Euro an die von Schmid-Sindram geführte Millennium GmbH. Sie wurden in Zusammenhang mit einem Aktienoptionsprogramm geleistet, mit dem MobilCom Händler belohnen wollte. Schmid hatte die Transaktion nicht mit dem Aufsichtsrat abgestimmt, der sie in einem auf der Hauptversammlung vorgelegten Gutachten als Verstoß gegen das Aktienrecht wertete.
Mit seiner unnachgiebigen Haltung könnte Schmid seinen Rauswurf provozieren. Der Aufsichtsrat hatte bereits vor der Hauptversammlung in der vergangenen Woche über Schmids Abberufung beraten, die Entscheidung allerdings auf diesen Freitag vertagt. Die Hauptversammlung selbst versagte Schmid mit den Stimmen von France Télécom als einzigem Vorstandsmitglied die Entlastung. Die Nachrichtenagentur dpa-AFX jedoch will am Donnerstag aus Unternehmenskreisen erfahren haben, dass einige Mitglieder des zwölfköpfigen Gremiums es nicht für zweckmäßig halten, wenn der Großaktionär Schmid in dieser Situation zurücktrete. Denn der Rücktritt könnte die Arbeitnehmer demotivieren und die Stabilität der Firma gefährden.
Wenn Schmid nicht zurücktritt und nicht aus dem Amt gedrängt wird, wäre sein Unternehmen von der Insolvenz bedroht. Einen Großkredit von 4,7 Milliarden Euro, der laut Medienberichten Ende Juli fällig wird, kann MobilCom ohne die Hilfe von France Télécom aller Voraussicht nicht bedienen.