MobilCom Schmid wird abgesetzt, aber jetzt wirklich
Paris/Büdelsdorf - Die Einigung ist da, aber die Unterschrift fehlt noch. Und solange Gerhard Schmid noch im Chefbüro in Büdelsdorf sitzt und seine MobilCom-Aktien behält, werden die Franzosen, die gut 28 Prozent an MobilCom halten, wohl auch nicht unterschreiben.
Trotzdem nähert sich der französische Konzern seinem Ziel, die Kontrolle bei MobilCom zu übernehmen: Nach Mitteilung aus Paris haben France Télécom und die MobilCom-Gläubigerbanken nun eine Grundsatzeinigung über die Schulden des deutschen Unternehmens erzielt. "Ich halte das für ein positives Zeichen für die Zukunft unseres Unternehmens", erklärt MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch in Büdelsdorf.
Finnen und Schweden reden mit
Eine Zukunft ohne Schmid, wenn es nach den Franzosen geht. Am Freitag soll abermals der Aufsichtsrat zusammenkommen, um über Schmids Zwangsabschied zu beraten. Bei der letzten Tagung der Kontrolleure soll Schmids Absetzung nur mit einer Stimme Mehrheit verhindert worden sein. Dem Unternehmenschef war es offenbar fast in letzter Minute gelungen, die Arbeitnehmervertreter auf seine Seite zu ziehen.
Noch eine zweite Bedingung muss erfüllt sein, bevor die Umschuldung erfolgen kann: France Télécom muss nach Angaben eines Konzernsprechers noch mit den MobilCom-Zulieferern Nokia und Ericsson eine ähnliche Einigung erzielen. Sie haben MobilCom einen 1,1 Milliarden schweren Lieferkredit gewährt. Die Diskussionen darüber sollten noch diese Woche beginnen, so der France-Télécom-Sprecher.
Wie man sich ohne Schulden verschuldet
Die Franzosen verhandelten seit Wochen mit den Banken über einen 4,7-Milliarden-Euro-Kredit der MobilCom, der Ende Juli fällig wird. Die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichtete, die 17 involvierten Kreditinstitute hätten einer Umwandlung der Schulden in eine France-Télécom-Wandelanleihe im Volumen von 4,2 Milliarden Euro zugestimmt. Die Anleihe könne zu einem Kurs von rund 45 Euro in Aktien umgewandelt werden. Die Banken dürften 90 Prozent der MobilCom-Anleihe zu einem Minimalpreis von 45 Euro je Aktie verkaufen. Am Donnerstagvormittag wurde das Papier an der Pariser Börse mit knapp 15 Euro notiert.
Das mit gut 60 Milliarden Euro verschuldete französische Unternehmen versucht mit dem Wandelanleihen-Modell, MobilCom zu übernehmen, ohne seine Verbindlichkeiten weiter zu erhöhen. France Télécom hält 28,5 Prozent an dem deutschen Telekommunikationsunternehmen, Schmid und seine Frau rund 50 Prozent. Seit Monaten gibt es offenen Streit über die Geschäftspolitik, vor allem über die Investitionen für den Aufbau von UMTS. Letzte Woche kündigten die Franzosen einseitig den Kooperationsvertrag.
Die "FTD" schrieb weiter, France Télécom habe den MobilCom-Aktionären ein neues Übernahmeangebot in Höhe von nur zehn Euro pro Aktie vorgelegt. Sollte Schmid, der 22 Euro verlange, dies ablehnen, drohe die mit den Banken vereinbarte Umschuldung wieder zu platzen. Quaritsch wollte das nicht kommentieren und betonte: "Das betrifft den Aktionär Schmid und nicht direkt unser Unternehmen." Die MobilCom-Aktie notierte am Donnerstag gegen 16.30 Uhr bei neun Euro, ein Plus von 5,9 Prozent.