MobilCom UMTS-Technik zum Schleuderpreis
Amsterdam/Büdelsdorf Man habe ein Angebot für die UMTS-Technik des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters vorgelegt, bestätigte KPN-Chef Ad Scheepbouwer am Montag in Amsterdam. Über Höhe und Umfang der Offerte machte er keine Angaben.
Nach den Worten von KPN-Finanzchef Maarten Henderson ist lediglich eine Übernahme von Teilen der MobilCom-Aktivitäten geplant. Realistisch sei, dass KPN einen zweistelligen Millionenbetrag zahle. Zum Vergleich: MobilCom hat in den Aufbau des UMTS-Netzes bereits 1,1 Milliarden Euro investiert.
MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte, man führe noch Verhandlungen mit zwei weiteren Unternehmen. So hält sich der kleinere Konkurrent O2 die Option offen, sein eigenes Sendenetz durch einzelne Standorte von MobilCom zu ergänzen.
Die deutsche KPN-Tochter E-Plus gilt schon seit längerem als ernsthafter Interessent für die Technik des erst teilweise aufgebauten Sendenetzes. E-Plus hat ein bis zum 30. April befristetes Vorkaufsrecht für die UMTS-Antennenstandorte und die Funktechnik von MobilCom. Eine endgültige Entscheidung soll nach Angaben Scheepbouwers Ende März fallen. MobilCom-Chef Thorsten Grenz hatte bereits im Januar angekündigt, dass sich bis Ende März ein Käufer finden müsse, sonst werde das UMTS-Netz abgebaut.
Das Sendenetz befindet sich zwar erst im Aufbau, aber wegen mangelnder Geschäftsaussichten hatte MobilCom seine UMTS-Aktivitäten nach einem Finanzierungsstreit mit France Télécom zunächst einstellen müssen. Bei einem Verkauf würde der französische Großaktionär 90 Prozent des Erlöses für die rund 2000 Standorte für Mobilfunkantennen kassieren.
Ebenfalls am Montag hatte der E-Plus-Mutterkonzern bei der Präsentation der Jahreszahlen Milliardenverluste für 2002 melden müssen nicht zuletzt wegen der hohen Kosten für die UMTS-Technologie. Der Nettoverlust sei um gut 27 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Montag in Amsterdam mit. Insgesamt verringerte sich der Schuldenstand der Telefongesellschaft auf 12,35 Milliarden Euro von 15,74 Milliarden Euro im Vorjahr.