MobilCom: UMTS verursacht Kurssturz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

MobilCom UMTS verursacht Kurssturz

Der Telekommunikationsanbieter MobilCom musste Verluste bekannt geben. Grund waren die Kosten für den Aufbau eines UMTS-Netzes und der Kampf um die Mobilfunkkunden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Büdelsdorf - MobilCom hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen Verlust vor Steuern und Zinsen von 265,4 Millionen Mark erwirtschaftet, hieß es in einer Mitteilung. MobilCom habe in den ersten neun Monaten Aufwendungen in Höhe von 227 Millionen Mark für Zinsen, Bankgebühren sowie Personal- und Sachinvestitionen aufbringen müssen. Nach der Meldung des Unternehmens stehen diesen Aufwendungen bis zum vorgesehenen Netzstart im Jahr 2002 keine UMTS-Umsatzerlöse gegenüber.

MobilCom erwartet auch für das vierte Quartal 2000 ein negatives Ergebnis. Die Kosten für die UMTS-Lizenz sowie das Kundenwachstum würden das Ergebnis auch zum Ende des Jahres hin belasten, sagte MobilCom-Chef Gerhard Schmid in einer Telefonkonferenz. Der Break-even-Point sei bisher für das Jahr 2007 geplant, fünf Jahre nach dem geplanten Start des UMTS-Netzes. Möglicherweise könnte er aber auch früher erreicht werden. Neue Prognosen sollen im Dezember bekannt gegeben werden.

In den ersten neun Monaten des Jahres zählte MobilCom 2,27 Millionen Neukunden in den Sparten Mobilfunk, Internet und Festnetztelefonie. Dies sei ein Wachstumsplus von 69 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Im Mobilfunk stieg der Anteil der Neukunden von 6,6 Prozent im der Vorjahresperiode auf 10,2 Prozent für die ersten drei Quartale in 2000. Bis Ende September habe MobilCom für dieses Wachstum 555 Millionen Mark investiert. Insgesamt zähle das Unternehmen 3,3 Millionen Mobilfunk-Kunden. Davon seien 601.000 Kunden im dritten Quartal hinzugekommen.

MobilCom bezeichnete das Internet als die zweite Säule des Geschäfts. 1,4 Millionen Internetsurfer hätten Ende September das Onlineportal der MobilCom-Tochter freenet.de AG genutzt. Das entspreche seit Jahresbeginn einem Zuwachs von über 70 Prozent.

Die Aktien der Telefongesellschaft sind am Frankfurter Neuen Markt kräftig unter Druck geraten. Das Papier verlor bis zum frühen Nachmittag knapp vierzehn Prozent an Wert.