MobilCom Wirrwar um Schuldenerlass
Düsseldorf - Insgesamt 7,5 Milliarden Euro wolle der französische Konzern zahlen, um sich endgültig aus der unseligen Partnerschaft mit der Büdelsdorfer MobilCom zu verabschieden, berichtete das "Handelsblatt". Ein entsprechendes "Memorandum of understanding" solle zwischen den Vertragsparteien in den nächsten zwei Wochen unterzeichnet werden. Unklar sei jedoch noch, ob Hauptaktionär Gerhard Schmid der Regelung zustimme. Eine formelle Genehmigung könne nur auf einer außerordentliche Hauptversammlung erteilt werden, die für Mitte Dezember geplant sei.
Unklar ist bisher, ob die Vereinbarung nur dem Wunschdenken der MobilCom-Spitze entspringt. Während Unternehmenskreisen in Büdelsdorf den "Handelsblatt-Bericht" bestätigen und MobilCom-Hauptaktionär Gerhard Schmid bereits seine Zustimmung signalisiert, dementiert Paris bisher "entschieden".
Am Neuen Markt schossen die MobilCom-Aktien kurz nach Handelsbeginn um fast 100 Prozent in die Höhe auf 5,79 Euro. Anschließend gab die Aktie jedoch wieder merklich nach. Am Vormittag lagen die Titel noch gut 30 Prozent im Plus.
Analysten warnten vor überzogener Euphorie. "Sicher ist hier noch gar nichts. Ich glaube, es ist immer noch sehr unwahrscheinlich, dass France Télécom quasi rund sieben Milliarden Euro verschenkt", sagte Klaus Baumann, Analyst bei SES Research. "Das widerspricht jeglicher ökonomischer Vernunft, trotz möglicher Schadenersatzansprüche. Außerdem geht es den Franzosen ja auch nicht besonders gut", fügte er hinzu. Sollte es jedoch zu einem Schuldenerlass bei dem Büdelsdorfer Unternehmen kommen, "dann hätte MobilCom wieder eine Werthaltigkeit. Das Unternehmens wäre überlebensfähig, wenn es ein überzeugendes Sanierungskonzept vorlegt."
Die Vereinbarung sieht der Zeitung zufolge unter anderem vor, dass France Télécom an MobilCom rund 485 Millionen Euro dafür zahlt, dass MobilCom den Netzaufbau der neuen Mobilfunkgeneration UMTS einfriert. Außerdem sei geklärt, dass die Franzosen das UMTS-Darlehen von 4,7 Milliarden Euro übernehmen, und Kredite an Gesellschafter und Lieferanten wie Nokia und Ericsson in Höhe von insgesamt 2,23 Milliarden Euro begleichen. Im Gegenzug verpflichte sich MobilCom, keine weiteren Schadenersatzansprüche mehr gegen den französischen Anteilseigner zu stellen. France Télécom ist noch mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt.