Mobile Navigation: Wenn das Handy den Weg weiß - DER SPIEGEL
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Mobile Navigation Wenn das Handy den Weg weiß

Wer via Satellit navigieren möchte, muss weder Kabel in seinem Auto verlegen noch viel Geld für einen PDA ausgeben. Denn ein Mobiltelefon genügt - immer mehr Navigationslösungen kommen auf den Markt, teilweise sind sie sogar schon erschwinglich.
Von Niels Gründel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mülheim/Ruhr - Autofahrer, die ein fest eingebautes Navigationssystem besitzen, schwören oft auf seine Genauigkeit: Das System wertet nicht nur das GPS-Satellitensignal zur Ortung aus, sondern auch zusätzliche Sensordaten der Fahrzeugelektronik. So kann es beispielsweise möglichst frühzeitig eine Richtungsänderung des Fahrzeugs registrieren.

Die Fehlerquote der Navigationslösungen bei mobilen Geräten ist zwar geringfügig höher, aber Handys schlagen die Lösungen im Auto immer dann, wenn der Nutzer zu Fuß weiter gehen muss. Wer kann schon in vielen Großstädten direkt vor die Haustür der gewünschten Zieladresse fahren? Meist muss das Fahrzeug in einiger Entfernung abgestellt werden, die Suche geht dann von vorne los. Darüber hinaus sind die Handy-Navigationslösungen auch auf dem Fahrrad oder Motorrad ideal.

Nach Einschätzung des britischen Marktforschungsunternehmens Canalys machen die mobilen Navigationslösungen den festverdrahteten Systemen zunehmend Konkurrenz. Lösungen für Handys oder gar Smartphones, die eine Kreuzung aus Mobiltelefon und PDA darstellen, besitzen für die Zukunft gute Verbreitungschancen. Die Telekommunikationsanbieter werden die Lösungen stark bewerben, für die der Kunde pro Routenplanung zahlen muss.

Plattform schränkt Auswahl der Handys ein

"Die Verbreitung von Handy-Navigationslösungen ist heute noch sehr gering", sagt Erno Hempel, Geschäftsführer von Jentro Technologies, dem Hersteller der Lösung "Falk activepilot". "Aber bisher haben die Anbieter auch nur den sehr kleinen Markt der höherwertigen und teuren Handys adressiert. Diese Hürde wird zumindest unsere Lösung in Kürze überspringen." Falk activepilot will subventionierte Komplett-Pakete inklusive Handy für null Euro auf den Markt bringen.

Wer eine Routenplanung nur selten benötigt, ist mit einem Off-Board-System bestens bedient. Hier erfolgt die Routenberechnung auf Anfrage beim Provider. Voraussetzung ist dafür neben der Festlegung auf ein geeignetes System auch ein GPRS-Tarif. Zur Auswahl stehen derzeit "Falk activepilot", "PTV Naviguide", "Wayfinder Mobile Navigator" sowie "NaviGate BlueKit II" von T-Mobile.

Um eine der Lösungen zu nutzen, muss das eigene Mobiltelefon Bluetooth an Bord haben, damit darüber ein GPS-Empfänger angeschlossen werden kann. Er ist in den meisten Standard-Angeboten der Anbieter enthalten. Leider ist die Auswahl der jeweils geeigneten Handys beschränkt durch die Plattform, auf der die ausgewählte Software zum Einsatz kommen kann: entweder eine bestimmte Java-Unterstützung oder das freie Symbian OS.

Beides erweist sich bei einem Blick in eine aktuelle Handy-Liste jedoch als Einschränkung. Es muss zwar nicht gleich ein teures Business-Handy sein, aber ein aktuelles Gerät braucht der Nutzer auf jeden Fall.

Teil zwei: Schlichtheit als Vorteil

Der österreichische UMTS-Netzbetreiber 3 hat eine Reihe von UMTS-Handys im Angebot, in denen bereits eine reduzierte Variante eines GPS-Empfängers eingebaut ist. Dessen Auswertungen werden durch Daten aus dem Mobilfunknetz verfeinert. Deshalb wird das Verfahren Assisted GPS genannt. Bei 3 kostet jede Ortung oder Routensuche 29 Cent.

Der Vorteil der "Off-Board-Navigationslösungen" liegt in ihrer Schlichtheit: Ein zusätzliches Endgerät ist ebenso verzichtbar wie Zusatzkosten, die durch Software-Updates oder neues Kartenmaterial entstehen. Alle Produkt-Optimierungen und stets aktuelle Straßenpläne stehen dennoch zur Verfügung. Und gerade deshalb gelingt auch den Handy-Navigationslösungen die Zielführung - nur mit Symbolanzeige und Stimme, selbst an Staus vorbei. Auch auf spontane Änderungen reagieren die Systeme, sobald man die ursprünglich berechnete Route verlässt.

Die Lösungen erstrecken sich auf die meisten Länder in Zentraleuropa. Wer die Navigationslösung jedoch im Ausland einsetzen möchte, muss zahlen. Es kassiert zwar nicht der Anbieter der "Off-Board-Navigationslösungen", aber mitunter sein Mobilfunk-Provider. Denn durch Roamingkosten kann aus der vermeintlich preiswerten Routenplanung schnell ein teures Vergnügen werden.

Speicherplatz reicht noch nicht aus

Erno Hempel rät daher auf der Hut zu sein, denn "mit dem richtigen Roamingpartner entstehen kaum Zusatzkosten. Teilweise betragen sie nicht mehr als zehn Prozent. Hier ist aber noch viel Informationsarbeit wichtig, damit ein Kunde nicht leichtfertig über das automatische Roaming einen Netzbetreiber nutzt, der dann die Kosten unnötig in die Höhe treibt."

Die alternative Lösung wäre ein On-Board-System mit den Daten aller europäischen Länder. Zwar sind die Mobiltelefone heutiger Zeit immer leistungsfähiger geworden, doch dafür reicht der Speicherplatz noch nicht aus.

Mit dem niederländischen System Route 66 ist es immerhin möglich, wahlweise ein On-Board-System für Deutschland oder beispielsweise die Alpenländer zu installieren. Benötigt wird dazu ein Symbian-Handy mit OS 6.1 oder höher sowie Bluetooth für die Anbindung eines GPS-Empfängers. Geliefert wird die Software auf einer MultiMediaCard (MMC), die in einen freien Kartenschacht des Telefons eingeschoben wird. Nach einem Neustart des Gerätes kann es dann direkt losgehen.

Mobiler Stadtplan

Die Route-66-Lösung ist mit einer 3D-Ansicht ausgestattet und vor kritischen Stellen wie Kreuzungen oder komplizierten Abzweigen zoomt das System automatisch in den Kartenausschnitt hinein. Ohne GPS lässt sich Route 66 immer noch als mobiler Stadtplan nutzen.

Für Deutschland ist ein zusätzlicher, kostenloser Service verfügbar mit aktuellen Verkehrsinformationen vom Hersteller via GPRS, um Staus, Baustellen oder Unfälle zu umgehen.

Die Navigationslösungen per Handy sind einfach und günstig: Bei Falk ist man im ersten Jahr von der monatlichen Grundgebühr von 4,99 Euro befreit, jede Route bis 50 km Luftlinie kostet 0,89 Euro, größere Entfernungen 1,49 Euro. Die Route-66-Lösung kostet einmalig 299 Euro.