Mobiles Internet: Sieben Giganten gegen Google - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mobiles Internet Sieben Giganten gegen Google

Das mobile Internet verspricht, sich zu einem frischen Markt zu entwickeln, der noch von niemandem dominiert ist. Zu gern würden Google und Yahoo die Sache unter sich ausmachen, doch sie haben mächtige Konkurrenz: Sieben Telko-Konzerne wollen das Geschäft selbst machen - gemeinsam gegen Google.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Was die englische Tageszeitung "Daily Telegraph" am Wochenende da aus dem Sack ließ, hätten sieben der führenden Telekommunikationsunternehmen der Welt wohl lieber noch eine Weile geheim gehalten. Wenn am 12. Februar in Barcelona die jährliche Mobilfunkmesse 3GSM ihre Tore öffnet, wollen Vertreter der Konzerne den Branchen-Ringelpietz zu einem konspirativen Treffen nutzen. Gegenstand der Arbeitssitzung: Nicht weniger, als zu einer Kooperation zu kommen, die eigene, gemeinsame Mobil-Internetanwendungen zum Ziel hat; die Google und Yahoo Konkurrenz machen und im Idealfall die Butter vom Brot nehmen soll.

Denn bisher gilt der mobile Internetmarkt als weitgehend unbeackert. Nur zögerlich lassen sich die Kunden in Europa und Amerika auf die so genannten 3G-Dienste ein. Dass das mobile Web sich am Ende aber durchsetzen wird, beweist den Telekommunikationsunternehmen nicht nur der Blick nach Asien: Sie sehen auch in ihren eigenen Zahlen einen langsamen, aber sehr stetigen Aufwärtstrend.

Irgendwann einmal, so das Kalkül, wird man gerade mit Dienstleistungen wie Suchdiensten im Mobilnetz richtig Geld machen können. Denn anders als im stets weltweiten Netz lassen sich mobile Anwendungen hervorragend lokalisieren - und die Kunden mit sehr gezielten Angeboten ansprechen.

Schulterschluss

Genau solche Suchdienste wollen die Konzerne aus der Taufe heben, gemeinsam gegen Google, bevor das Sichdienst-Unternehmen auch auf diesem Markt eine Dominanz erreicht. Es sind keine kleinen Fische, die sich da so viel vorgenommen haben: An Bord sind dem "Daily Telegraph" zufolge die Firmen Cingular, Deutsche Telekom, France Telecom, Hutchinson Whampoa, Telecom Italia, Telefonica und Vodafone. Die Verflechtung auf dem Mobilfunkmarkt bürgt dafür, dass so unmittelbar oder indirekt die meisten großen Player auf dem europäischen Mobilmarkt vertreten sind - und mit Cingular und den Firmen, die in den USA aktiv sind, machen sie Google und Co auch auf heimischen Grund Feuer.

Wenn denn etwas wird aus der Initiative. Hehre Absichtserklärungen wie die französischen und deutschen Initiativen, Google mit staatlich geförderter Kreativität Konkurrenz zu machen, sorgten bisher eher für Heiterkeit. Doch die Kooperation der Telko-Größen könnte ein ganz anderes Gewicht haben. Sie verfügen über den Schlüssel, der lokalisierte, zielgerichtete Services erst möglich macht - denn sie wissen, in welchen konkreten Mobilfunkzellen sich ihre Kunden gerade bewegen.

Google oder Yahoo brauchen dafür Kooperationen mit der Mobilfunkindustrie, und einige sind bereits geschlossen. Google hat Verträge mit T-Mobile, aber auch mit Vodafon und Hutchinson. Exklusiv sind diese Kooperationsverträge nicht unbedingt, denn parallel kooperieren Vodafone und Hutchinson auch mit Yahoo.

Ihr eigenen Dienst scheint dagegen bisher nur ein Plan der Telkos zu sein, die Software müsste erst entwickelt werden. In wie weit und wie schnell sich die Vertragspartner von Google und Yahoo da einbringen können, könnte auch von der Ausgestaltung der Verträge abhängen.

Deren Haken und Ösen haben schon zuvor für seltsame Konstellationen gesorgt: So verfügte Yahoo nach dem Aufkauf von Inktomi und Altavista zwar über eigene Suchmaschinen, sah sich aber zur Erfüllung seiner Verträge mit Google genötigt: Monatelang nutzte jeder, der Yahoo zur Suche im Netz gebrauchte, im Grunde Google.

pat

Mehr lesen über