Mobilfunk: E-Plus-Chef glaubt nicht an UMTS-Dienste - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mobilfunk E-Plus-Chef glaubt nicht an UMTS-Dienste

Im Fall der kostspieligen neuen Mobilfunktechnik UMTS liegen bei einigen Handykonzernen die Nerven blank. E-Plus-Chef Uwe Bergheim warf dem Konkurrenten Vodafone jetzt vor, die falsche Strategie zu verfolgen und die Preise kaputt zu machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - E-Plus kritisiert vor allem die massive Subventionierung von UMTS-Handys durch Vodafone  . "Ärgerlich daran ist, dass die Chance vertan wurde, die Subventionen für Handys mit der UMTS-Einführung zu beenden", sagte Uwe Bergheim der "Berliner Zeitung". Vodafone hat im wichtigen Weihnachtsgeschäft UMTS-fähige Mobilfunkgeräte zum Teil für einen Euro angeboten.

Der Handy-Standard UMTS ist in der Lage, größere Datenmengen zu übertragen als bisherige Mobilfunknetze. Geräte der dritten Mobilfunkgeneration erlauben den schnellen Zugriff auf das Internet sowie das Abspielen und Versenden von Musik- oder Videodateien. Für die Lizenzen zum Betrieb eines deutschen UMTS-Netzes haben die großen Telekommunikationskonzerne insgesamt 50,8 Milliarden Euro an den Staat gezahlt, weitere Milliarden flossen in den Netzaufbau. Entsprechend groß ist der Druck, mit der aufwändigen Technik möglichst bald Geld zu verdienen.

Es sei falsch, wertvolle Endgeräte zu verschenken, wenn die Nutzer ihre Möglichkeiten gar nicht ausschöpfen könnten, sagte der E-Plus-Chef. "Wer glaubt, dass sich so das Nutzungsverhalten ändert und Datendienste mehr nachgefragt werden, täuscht sich gewaltig." Die KPN  -Tochter E-Plus hatte sich wie ihre Wettbewerber für einen Abbau von Gerätesubventionen ausgesprochen. Branchenprimus T-Mobile ist sogar bereit, dafür auf Marktanteile zu verzichten.

Vodafone überfordere das Gros der Handy-Nutzer mit seinem Vorpreschen bei UMTS. "Der Großteil der Kunden will mit dem Handy doch zuerst einmal telefonieren. Was sich mit den Datendiensten bei UMTS alles machen lässt, weiß doch so gut wie niemand."

Bergheim zeigte sich indes davon überzeugt, dass die in die Kritik geratenen hohen Preise für Handygespräche aus dem Ausland fallen. "Ich gehe davon aus, dass die Preise für Auslandsgespräche bald in Bewegung kommen", sagte der E-Plus-Chef. Sein Unternehmen alleine könne allerdings wenig dabei ausrichten. "Dazu müssen bilaterale Verträge geändert werden. Zudem sind die Auslandspreise auch Teil einer Mischkalkulation."

Vodafone hat nach Angaben aus Branchenkreisen im laufenden Jahr bereits über 100.000 UMTS-Kunden in Deutschland gewonnen. Nach Angaben eines Konzern-Sprechers ist Vodafone mit der Kundenentwicklung im wichtigen Schlussquartal zufrieden. "Das Weihnachtsgeschäft ist gut gelaufen", sagte der Sprecher. Konkrete Kundenzahlen will das Unternehmen am 26. Januar bekannt geben. Einen Tag später will Branchenprimus T-Mobile seine Daten vorlegen.