Mobilfunk Fundamentale Unterschiede
as Ende hat ihm die Branche schon oft vorausgesagt. Mal war die in den Anfangsjahren chaotische Buchhaltung der Grund, mal waren es seine Discounttarife oder einfach nur Gerüchte über die drohende Insolvenz der Firma. Doch immer wieder strafte Gerhard Schmid seine Kritiker Lügen.
Jetzt aber könnte es ernst werden für den Gründer der Mobilcom AG. Der einstige Superstar der New Economy steht mächtig unter Druck. Und das heftige Sperrfeuer, das die Mobilcom-Aktie vergangene Woche zeitweise auf den tiefsten Stand seit Jahren drückte, kommt ausgerechnet von Schmids wichtigstem Partner: dem ehemaligen Monopolisten France Télécom (FT).
Das halbstaatliche Unternehmen, das mit 28,5 Prozent an Schmids Mobilcom beteiligt ist, sieht "fundamentale Unterschiede in der Interpretation" der vor knapp zwei Jahren beschlossenen Kooperationsverträge und will vorerst keine weiteren Gelder mehr nach Büdelsdorf überweisen. Notfalls, droht FT-Chef Michel Bon, "müssen wir vor Gericht eine Lösung suchen". Macht Bon Ernst, müsste Schmid wohl bald den Gang zum Konkursrichter antreten.
Es geht um Macht und Geld und um ein Aktiengeschäft, das zu mancherlei Spekulationen Anlass bietet. Umgerechnet gut acht Milliarden Euro hatte das Duo FT-Mobilcom im vergangenen Jahr schon für die UMTS-Lizenzen bezahlen müssen, weitere 1,4 Milliarden Euro für den Aufbau des Netzes sind allein bis Ende 2003 fällig.
Doch der mit 65 Milliarden Euro hoch verschuldete Konzern tut sich immer schwerer, seine Milliarden-Zusagen einzuhalten. Noch schwerer fällt den Franzosen der Umgang mit dem selbstbewussten Firmenchef aus Büdelsdorf. Ein eleganter Ausstieg aus den Zahlungsverpflichtungen käme ihnen deshalb sehr gelegen. Zumindest aber soll Schmid möglichst rasch aus dem Unternehmen gedrängt werden.
Die Chance dazu sehen die Franzosen in einem Aktiendeal, den Schmid mit Hilfe seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram abgewickelt hat. Um die Kundenzahl zu steigern, hatte Schmid ein Aktienoptionsprogramm aufgelegt als Belohnung für Händler, die besonders erfolgreich beim Abschluss von Handyverträgen sind.
Da keine Bank die nötigen 3,6 Millionen Aktien bereitstellen wollte, sprang Schmids Ehefrau ein. Zu einem Preis, der angeblich zwischen 105 und 126 Millionen Euro liegt, soll die von ihr geführte Millennium GmbH die Aktien an die Händler verteilen.
Die als Sybille Hempel geborene Tochter eines Malermeisters, die in erster Ehe mit dem Bauunternehmer Siegfried Sindram verheiratet war, betätigt sich seit langem als Immobilienmaklerin und war so zu einigem Vermögen gekommen. Einen Teil ihres Geldes legte sie schon 1997 beim Börsengang in Mobilcom-Aktien an.
Nachdem die Geschäftsfrau im Juli 2000 Gerhard Schmid das Ja-Wort gegeben hatte, erhöhte sie ihr Paket auf über vier Millionen Aktien, die sie aus steuerlichen Gründen in eine Millennium GmbH mit Sitz in Kiel einbrachte. Die Briefkastenfirma hatte Schmid kurz nach der Hochzeit von einem Steuerberater gekauft als Basis für die Aktivitäten seines Stiefsohns, des Architekten Paul Sindram, 28. Der sollte im Auftrag von Schmid ein 100 Millionen Euro teures Geschäftszentrum in Kiel bauen. Doch der aufstrebende Architekt gründete eine eigene Firma. Den überflüssig gewordenen Firmenmantel verkaufte Schmid an seine Frau, die darüber nun das Optionsprogramm abwickelt.
Trotz der Verwicklungen sieht das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel bislang "keinerlei Hinweise auf mögliche Insidergeschäfte". Doch die Franzosen wollen den Familiendeal noch einmal überprüfen lassen. Denn falls Millennium die Aktien im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung von Mobilcom gekauft hätte, wäre das ein Aktienrückkaufprogramm gewesen, das genehmigt werden muss. Wegen Vertragsbruch könnten die Franzosen ihre Zahlungen einstellen oder Schmid aus dem Amt drängen.
Die Skepsis der Franzosen ist nicht unberechtigt. Bis vor kurzem hatte Schmid nicht einmal seinen Partner in Paris informiert, dass seine Ehefrau fünf Prozent der Mobilcom-Aktien hält. Stattdessen schwafelte er von einem "Großinvestor". Das sei "vielleicht ein Fehler gewesen", räumt Schmid ein, doch "ich will ja auch nicht wissen", sagt er trotzig, "wann Frau Bon zum Frisör geht". Gegen Gesetze oder den Kooperationsvertrag mit FT habe er jedenfalls nicht verstoßen.
Er sei deshalb "sehr, sehr sicher", dass FT "zahlen muss, ohne ins Geschäft reinreden zu können". Wenn Bon meine, Mobilcom sei eine Tochterfirma von France Télécom, geht Schmid in die Offensive, "dann müssten die uns längst in ihrer Bilanz konsolidieren alles andere wäre Bilanzfälschung".
KLAUS-PETER KERBUSK