Mobiltelefone Nokia senkt seine Absatzprognose
Helsinki - Der Handy-Markt wird dem Branchenführer Nokia zufolge im kommenden Jahr schrumpfen. Für die von jahrelangem Wachstum verwöhnte Industrie wäre es der erste Absatzrückgang seit 2001. Schon im laufenden vierten Quartal 2008 werde der branchenweite Absatz schwächer wachsen als bisher erwartet, teilte Nokia am Freitag mit.
Das finnische Unternehmen senkte seine Absatzprognose für das vierte Quartal auf 330 Millionen Geräte. Das würde nur noch leichtes Wachstum gegenüber den 310 Millionen verkauften Mobiltelefonen im Vorjahresquartal bedeuten. Für das gesamte Jahr 2008 rechnet Nokia nun mit insgesamt 1,24 Milliarden abgesetzten Handys aller Anbieter statt der bisher erwarteten 1,26 Milliarden.
Die Handy-Hersteller hatten sich an kräftige Wachstumsraten gewöhnt: Bis auf einen Rückgang von vier Prozent im Jahr 2001 ging es seit rund 15 Jahren nur nach oben. Nun sorgt die Finanzkrise dafür, dass sich das Wachstum der Kundenzahlen auch in den zuletzt boomenden Märkten der Schwellenländer verlangsamt. Zudem schieben mehr Nutzer in Industrieländern den Kauf eines moderneren Ersatzgerätes auf.
Eine verwöhnte Branche muss sparen
Für das eigene Unternehmen nannte Nokia noch keine konkret bezifferten Prognosen. Man rechne mit einer "Stabilisierung oder leichten Steigerung" des derzeitigen Weltmarktanteils. Im dritten Quartal war Nokias Marktanteil von 40 auf 38 Prozent gesunken.
Als Konsequenz der "rapiden Veränderungen im Käuferverhalten" sind Einschnitte beim Einsatz externer Partner, Berater und Dienstleistungen geplant. Auch intern arbeite man an zusätzlichen Maßnahmen zur Kosteneinsparung, hieß es aus Helsinki weiter.
Anfang der Woche hatte Nokia Siemens Networks als Sparte für Mobilfunk-Infrastruktur bereits die Streichung von 500 Stellen in Deutschland und 750 in Finnland angekündigt. Nokia nannte als Grund für die negative Branchenentwicklung auch den begrenzten Zugang zu Krediten für Geschäftspartner.
Der Abschwung soll auch durch eine Verstärkung des Service- Geschäfts auffangen werden. Neben Musik bieten die Finnen unter anderem Navigationslösungen an. Auf die Kostenbremse treten will das Unternehmen sowohl im Kerngeschäft mit Handys als auch beim Mobilfunk-Ausrüster Nokia Siemens Networks.
kfi/dpa