Mode Boss verliert seinen Boss
Metzingen - Der 56-jährige Manager teilte dem Aufsichtsrat mit, dass er seinen bis Ende Juni 2002 laufenden Vertrag nicht verlängern wolle, wie das Unternehmen am Freitag in Metzingen bekannt gab. Baldessarini sagte, er möchte sich künftig "mehr den Luxusfaktor Zeit gönnen", werde aber weiterhin als Berater für Boss tätig sein und in den Aufsichtsrat wechseln. Nachfolger soll sein Stellvertreter im Vorstand, Bruno Sälzer, werden.
Baldessarini, der seit 1975 für Boss arbeitet, übernahm das Amt als Vorstandschef am 1. November 1998 und trieb die Expansion des Unternehmens weiter voran. Zuvor hatte er als Kreativ-Chef und stellvertretender Vorstandsvorsitzender die Strategie des schwäbischen Modemachers mitgeprägt. Dazu zählte auch die Aufspaltung in drei verschiedene Marken: "Boss" als klassische, "Hugo" als junge und "Baldessarini" als luxuriöse Linie. Hugo Boss gehört mehrheitlich dem italienischen Wollweber Marzotto.
Unter Baldessarinis Führung wagte das Unternehmen den Abschied vom reinen Herrenausstatter und brachte Ende 2000 erstmals eine eigene Damenkollektion auf den Markt. Der Manager räumte später jedoch Probleme mit dem neuen Segment ein und verschob das Ziel, mit "Boss Woman" bereits im nächsten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Die Chefdesignerin für die Damenmode, Grit Seymour, hatte den Modekonzern im Juli nach zweijähriger Tätigkeit überraschend verlassen.
Die durch positive Nachrichten von Boss erfolgsverwöhnten Kapitalmärkte quittierten diese Entwicklung mit Verkäufen: Die Vorzugsaktien gaben von Kursen um 35 Euro auf zeitweilig weniger als 20 Euro nach. Nach Baldessarinis Rücktrittsankündigung ging der Kurs bis zum Freitagmittag leicht um 1,29 Prozent auf 23,00 Euro zurück.
Der designierte Nachfolger Sälzer ist seit 1995 im Vorstand des Unternehmens für Vertrieb und Handelsmarketing zuständig und wurde 1998 zeitgleich mit Baldessarinis Berufung dessen Stellvertreter. Sälzers Stärken liegen nach Auffassung von Branchenkennern vor allem im kaufmännischen Bereich. Bevor er zu Hugo Boss kam, war er für das Kosmetikunternehmen Beiersdorf und eine Tochter des Henkel-Konzerns tätig. Die beiden Spitzenmanager gelten als eingespieltes und sich ergänzendes Duo. Der langjährige Creativ-Direktor der Marke Boss, Lothar Reiff, soll bereits am 1.1.2002 in den Vorstand wechseln und dort für die Modekollektionen verantwortlich zeichnen.