Mode-Misere: Finanzinvestoren kaufen Jil Sander - DER SPIEGEL
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Mode-Misere Finanzinvestoren kaufen Jil Sander

Letzten Sommer warb der launische Prada-Chef Bertelli noch Star-Designer Raf Simons für Jil Sander an, um die kriselnde Traditionsmarke zu retten. Doch nun hat der Italiener offensichtlich die Nase voll von der erst 1999 erworbenen Tochter - er überlässt sie jetzt britischen Finanzinvestoren.
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Hamburg - Prada habe Jil Sander an den britischen Finanzinvestor Change Capital Partners mit Sitz in London verkauft, teilte die Jil Sander AG in Hamburg mit. Ein Verkaufspreis oder andere Einzelheiten wurden nicht genannt. Change Capital Partners werde nicht nur die Marke Jil Sander übernehmen, sondern auch die Führungsmannschaft, sagte Fondsleiter Stephan Lobmeyr der Nachrichtenagentur AFP lediglich.

Jil Sander scheint einfach keine Ruhe vergönnt - schon die letzten Jahre verliefen für das 1975 gegründete Traditionsunternehmen äußerst turbulent. 1999 verkaufte die legendäre Designerin, die dem Label ihren Namen gab, ihre Aktienmehrheit an Prada. Kurz darauf schmiss sie erst den Vorstandsvorsitz und dann auch die Verantwortung für das Modedesign hin - wegen Auseinandersetzungen mit dem als äußerst herrisch und unberechenbar geltenden Bertelli. Nachdem sich die Kunden anschließend von der durch ihre schlichte Damenmode bekannt gewordenen Marke abwandten, kehrte Sander nach drei Jahren im Mai 2003 noch einmal als Designerin zurück. Allerdings hielt sie es auch diesmal nicht lange aus, im November 2004 ging sie endgültig.

So ging es mit der Traditionsfirma weiter bergab: Im ersten Halbjahr 2005 musste sich Jil Sander mit einem Verlust nach Steuern von fast zehn Millionen Euro auseinandersetzen. Daraufhin verordnete Prada-Chef Bertelli ein rigides Sanierungsprogramm. Im Sommer heuerte er den belgischen Star-Designer Raf Simons an. Die Produktion im schleswig-holsteinischen Ellerau mit 160 Beschäftigten wurde geschlossen, die Kollektionen kommen jetzt komplett aus Italien.

In Deutschland blieben im Zuge der Restrukturierung nur noch rund 100 Arbeitsplätze, im Wesentlichen für Design- und Produktentwicklung sowie Markenmanagement. Bis 2006 soll Jil Sander wieder in die Gewinnzone gebracht werden, so sieht es der Sanierungsplan vor - Mitarbeiter mutmaßen aber schon länger, dass Bertelli die kriselnde Modelinie nur für einen Verkauf noch einmal aufhübschen wollte.

"Die Umgestaltung des Unternehmens steht kurz vor dem Abschluss", berichtete der Vorstandsvorsitzende von Jil Sander, Gian Giacomo Ferraris, nun. 140 Millionen Euro Umsatz hat der Konzern für dieses Jahr als Zielmarke gesetzt, damit soll endlich wieder operativer Gewinn erzielt werden. Zumindest der als ein wenig exzentrisch und scheu geltende Simons hat bei der Mailänder Modewoche seine erste Bewährungsprobe denn auch bravourös bestanden: Seine erste für Jil Sander entworfene Herrenkollektion feierte Erfolge. Nun stellt sich die Frage, ob der neue Chefdesigner auch die Kunden wieder überzeugen kann. Die neuen Hausherren werden sicher ein scharfes Auge darauf haben, dass ihre Investition sich auch lohnt.

Change Captial Partners, ein auf Modemarken und -handel spezialisierter Investmentfonds, war 2003 vom Verwaltungsratspräsidenten des französischen Handelskonzerns Carrefour und ehemaligen Chef des britischen Einzelhandelskonzerns Marks & Spencer, Luc Vandevelde, gegründet worden.

ase/AFP/dpa