Möbel-Index Die Welt, gemessen an Ikea
Stockholm - Gabriel Thulin wundert sich nicht darüber, dass die Schweden einer aktuellen Umfrage zufolge Ikea mehr Vertrauen schenken als der Regierung. "Die Preise im aktuellen Ikea-Katalog gelten bis nächstes Jahr Juli. So lange gelten Aussagen von Politikern meistens nicht." sagt er. Das Umfrageergebnis hat den Partner der Schwedischen PR-Firma Hallvarsson & Halvarsson Thulin dazu inspiriert, Ikea als Maßstab für einen internationalen Preisvergleich heranzuziehen.
Orientiert hat er sich bei seinem Konzept am Big-Mac-Index des britischen Wirtschaftsmagazins "The Economist". Der vergleicht die Preise des Doppeldeckers von McDonald's in unterschiedlichen Ländern und leitet daraus die Kaufkraft der Währungen und künftige Wechselkursbewegungen ab. Hinter dem Index steht die klassische Lehre der Kaufkraft-Parität. Sie geht davon aus, dass identische Güter überall auf der Welt grundsätzlich gleich viel kosten und sich im Preis nur durch die Wechselkurse unterscheiden. Kostet beispielsweise ein Big Mac in Großbritannien 1,90 Pfund und in den USA 2,43 Dollar, müsste der Wechselkurs 0,7819 Pfund je Dollar betragen. Liegt der tatsächliche Kurs des Dollar aber nur bei 0,60 Pfund, besagt die Big-Mac-Theorie, dass das britische Pfund im Wert steigen und gegenüber dem Dollar aufwerten wird - über kurz oder lang.
Für den neuen Index hat Thulin nicht nur ein Produkt sondern 27 Ikea-typische Artikel in einem Warenkorb zusammengestellt und dafür den jeweilige Landespreis ermittelt. Beim Vergleich von 15 Ländern kam heraus, dass Amerikaner und Kanadier am günstigsten bei Ikea einkaufen können. In Europa ist das preisgünstigste Ikea-Land Deutschland, gefolgt von den Niederlanden und Schweden. In Finnland, Italien und Dänemark zahlen die Menschen für Ikea-Möbel am meisten.
Obwohl der Ikea-Index sich in seiner Konstruktion nicht sehr vom Big-Mac-Vergleich unterscheidet und ebenfalls stark vom Wechselkurs beeinflusst wird, soll er etwas ganz anderes messen. Thulin sagt, sein Index messe in erster Linie, wie groß die Wettbewerbsintensität innerhalb der Möbel-Industrie in unterschiedlichen Staaten sei.
Vor diesem Hintergrund bedeutet das Ergebnis des Ikea-Indexes nach Thulin: In Deutschland gibt es innerhalb der Möbel-Branche einen starken Wettbewerb mit hohem Preisdruck. Außerdem konnte sich Ikea mit seinen Billigpreisen am Markt sehr gut platzieren. Die Unternehmenszahlen bestätigen diese Aussage. Im Gegensatz dazu lassen die hohen Ikea-Preise in Finnland nach Interpretation von Thulin auf eine geringe Wettbewerbsintensität schließen. Der Möbel-Markt wird von wenigen, mächtigen Konkurrenten dominiert.
So ganz eindeutig ist der Ikea-Index allerdings nicht, das gibt auch Thulin zu. Dass die USA und Kanada gemessen am Ikea-Index besser abschneiden als die Europäer, sei dem günstigen Wechselkurs und den niedrigen Verbrauchersteuern zuzuschreiben und weniger dem Wettbewerb in der Möbelindustrie, sagt der PR-Experte. Den Verbrauchssteuern ist auch anzulasten, dass die Schweden in Europa nur Platz drei belegen. Im Vergleich zu Deutschland, wo 16 Prozent des Verkaufspreises an den Staat gehen, kassiert die schwedische Regierung nämlich 25 Prozent.
Ina Kirsch