Mögliche Fusion Gerüchte um Megabank befeuern Postbank-Kurs
Hamburg - Die Börse regierte begeistert, so vage der Plan auch noch sein mag. Der Aktienkurs der Postbank schoss gleich zum Handelsauftakt um über zehn Prozent nach oben. Grund für die Euphorie, die so gar nicht zu der eigentlich ziemlich miesen Stimmung am Aktienmarkt passen will: Postchef Klaus Zumwinkel will laut "Financial Times Deutschland" aus der Postbank und einem Partner die mit Abstand größte deutsche Privatkundenbank schmieden.
Formale Gespräche wurden der Zeitung zufolge noch nicht aufgenommen. Gerüchte über die Zukunft der Bank-Tochter des gelben Riesen gab es in den vergangenen Monaten zudem haufenweise. Schon im November hatte Zumwinkel den Aktienkurs beflügelt, als er erklärte, nach der Liberalisierung des Briefmarktes werde er sich Gedanken über die Zukunft der Postbank machen. Heftig wurde schon da über einen möglichen Verkauf oder eventuelle Partnerschaften spekuliert. Die Commerzbank erklärte sich ganz öffentlich interessiert an einer möglichen Übernahme, die Deutsche Bank wollte nichts ausschließen.
Doch inzwischen ist man bei der Post über das Stadium reiner Gedankenspiele offenbar hinaus. Die Verkaufsoption scheint erst einmal vom Tisch: Die Postbank strebe eine Fusion unter Gleichen an, notfalls werde man sich auch mit der Rolle des Juniorpartners zufrieden geben, sagte ein hochrangiger Post-Manager, der nicht weiter benannt wird, der "FTD". Die US-Investmentbank Morgan Stanley habe schon Sondierungsgespräche mit mindestens drei anderen Banken geführt: Der Deutschen Bank , der Allianz , die die Dresdner Bank in eine solche Partnerschaft einbringen könnte, und der ING mit ihrer Onlinebank ING-Diba.
Allzu konkret sind auch diese Informationen nicht, zumal alle Beteiligten eisern schweigen, doch offenbar reichen die Spekulationen aus, um die Anleger erneut zum Träumen zu bringen. Kein Wunder, sagen Experten - denn die Idee hat ihren Reiz für alle Seiten.
Der Postbank böte etwa eine Allianz mit der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG endlich die Möglichkeit, auch an wohlhabendere Kundschaft heranzukommen, "bis hin zur Privatbankingklientel", wie Ralf Breuer von der WestLB sagt. "Bisher hat die Postbank dafür weder die Produkte noch die Vertriebsstruktur", erklärt der Bankenanalyst. Andreas Pläsier von MM Warburg sieht das ähnlich: "Die Postbank hat zwar an die 15 Millionen Kunden", erklärt er. "Aber zu der Gruppe, die intensivere Geschäfte tätigen, gehören vielleicht vier Millionen." Der Rest habe oft nur ein Postsparbuch, sagt der Experte.
EDV-Plattform der Postbank ein wichtiges Argument
Umgekehrt ist für mögliche Partner der riesige Kundenstamm der Postbank - so wenig risikofreudig diese auch sein mögen - ziemlich attraktiv. Er könnte Banken mit kleinerer Klientel und damit weniger Kapitaleinlagen helfen, ihr Geschäft besser auszulasten. Ein wichtiges Fusionsargument sei außerdem die attraktive EDV-Plattform der Postbank, betont Breuer: Während viele andere Banken mit einem "Flickwerk" zurecht kommen müssten, "das Ergebnis von 40 Jahren Automatisierung ist", arbeite die Postbank hochmodern und allein SAP-basiert. "Weil die Plattform im Prinzip erst in den neunziger Jahren richtig aufgebaut wurde", sagt Breuer. "Das würde einem möglichen Partner je nach Größe Investitionskosten von 500 Millionen bis fünf Milliarden Euro ersparen", fügt er hinzu.
Durch einen Zusammenschluss der Postbank mit einem weiteren Geldinstitut würde im deutschen Privatkundengeschäft, wo bisher Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken den Ton angeben, ein mächtiger dritter Block entstehen. Trotzdem hält zumindest Pläsier es für fraglich, ob sich die bisher angeblich umworbenen Banken für die Idee einer Fusion begeistern. "Die Deutsche Bank und die Postbank sind zum Beispiel im Auftritt vollkommen unterschiedlich", sagt er. Sich einen Kunden des größten deutschen Geldhauses in einer Postfiliale beim Geschäfte machen vorzustellen, sei schwierig: "Die Atmosphäre ist dort eben wie in einer Postfiliale und nicht wie in einer Bank. Es ist ziemlich unruhig." Mit Blick auf die ING, stellt sich Pläsier zufolge die Frage, "ob sich für sie das Risiko eines solchen Zusammenschlusses überhaupt lohnt. Die ING ist klar fokussiert als Direktbank und hat jetzt schon riesige Wachstumsraten."
Beim Analysehaus Equinet heißt es: "Am Ende wird der Preis, den die Deutsche Post verlangen wird, entscheiden. Wir könnten uns einen Preis von bis zu 80 Euro je Postbank-Aktie vorstellen." Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge äußerten sich mehrere mit der Situation vertraute Personen trotzdem skeptisch. Angesichts der derzeitigen Marktverhältnisse sei der Zeitpunkt ungünstig, sagte einer. Ein anderer betonte, der Prozess habe noch nicht begonnen. Es gebe keine Sondierungsgespräche mit anderen Banken.