Mögliche Mega-Übernahme: Milliarden fürs Shampoo - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mögliche Mega-Übernahme Milliarden fürs Shampoo

Wenn die Gerüchte stimmen, dann könnte in Deutschland die größte Firmenübernahme seit dem Vodafone-Mannesmann-Deal anstehen. Der hochliquide Henkel-Konzern will angeblich Wella übernehmen - für mindestens 4,5 Milliarden Euro.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Darmstadt/Düsseldorf - Spekulationen über eine mögliche Übernahme gibt es seit langem, bereits Anfang 2000 bezeichnete Henkel-Chef Ulrich Lehner selbst die Akquisition als "interessante Variante". Nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" aber ist man über die Phase des Planens und Prüfens nun hinaus. Der Persil-Hersteller Henkel soll der Darmstädter Wella AG (Wellaflex, Crisan, Handsan) ein informelles Angebot unterbreitet haben. Eine Wella-Sprecherin sagte indes, dem Vorstand liege kein Übernahmeangebot vor und wollte sich ansonsten nicht äußern. Auch Henkel gab zu den Spekulationen keinen Kommentar ab.

Dem "Journal" zufolge leistet die familiengeführte Wella AG weiter Widerstand - gerungen werde aber vor allem um den Preis. Das angebliche Henkel-Gebot liege zwar deutlich über dem derzeitigen Börsenwert der Wella AG - doch ihre Eigner verlangten, dass der Düsseldorfer Konsumgüter-Riese sein Gebot erhöhe. Ein Verkauf käme voraussichtlich erst ab einem Preis von 70 bis 80 Euro je Aktie zustande, so das "Journal" unter Berufung auf informierte Kreise. Das entspräche 4,7 bis 5,4 Milliarden Euro für den gesamten Konzern. Ob Henkel zu einem Gebot in dieser Höhe bereit ist, bleibt derzeit unklar.

Angeblich ist das 4,5 Milliarden-Gebot mindestens das zweite. Vor einigen Wochen habe Henkel bereits einmal in Darmstadt angeklopft, so das "Journal" - dabei aber noch weniger geboten. Henkel versuche seit einiger Zeit seine Kosmetiksparte ausbauen, die derzeit für 16 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist. Der Wella-Konzern, der auch in Zeiten der Konjunkturkrise durch robustes Wachstum auffällt, gilt dabei als idealer Übernahmekandidat.

Auf dem Markt für Friseur-Produkte könnte eine Kombination Henkel-Wella einen Anteil von 30 Prozent erreichen, rechnet das "Handelsblatt" vor. Eine Verlobung beider Firmen dürfte allerdings die Eifersucht des französischen Konkurrenten L'Oreal wecken. Es gilt als möglich, dass er sich wieder verstärkt um eine Übernahme des Beiersdorf-Konzerns bemühen könnte.

Die Spekulationen haben die Wella-Aktie deutlich beflügelt. Das Papier legte am Montagvormittag um 25 Prozent zu und lag auch am Nachmittag noch um 19 Prozent im Plus. Wella hatte bisher erfolgreich der Konsumflaute getrotzt. 2001 stieg der Umsatz um 12,9 Prozent auf 3,187 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 20,2 Prozent auf 274 Millionen Euro zu. Auch im ersten Quartal 2002 steigerte das Unternehmen, das weltweit mehr als 17.000 Mitarbeiter beschäftigt, Umsatz und Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT). Für das Gesamtjahr rechnet Wella mit einem Umsatzplus zwischen 10 und 14 Prozent. Das EBIT soll überproportional verbessert werden.