Monopolvorwurf Der Vier-Milliarden-Diamanten-Deal
Brüssel - De Beers hat es nicht leicht mit den Europäern. Der weltgrößte Diamantenkonzern aus Südafrika steht seit Ende der neunziger Jahre unter ständiger Beobachtung der Europäischen Kommission - schließlich kontrolliert De Beers 60 Prozent des weltweiten Diamantenhandels.
Und jetzt auch noch das: Die EU-Kartellbehörde ist laut "Wall Street Journal" bei ihren Recherchen über einen bemerkenswerten Geschäftsvertrag De Beers mit dem staatseigenen russischen Rohdiamantenmonopolisten Alrosa gestolpert. Im Dezember vergangenen Jahres vereinbarten die beiden Konzerne, dass das russische Staatsunternehmen fünf Jahre lang jährlich 800 Millionen Rohdiamanten an De Beers liefert, was einem Gesamtvolumen von vier Milliarden Diamanten entspricht. Die Kommission befürchtet, dass De Beers durch das Geschäft fast den gesamten Diamantenmarkt kontrollieren könnte und die Marktpreise künstlich in die Höhe treiben könnte, berichtet das "Journal" unter Berufung auf Kommissionskreise.
Dabei ist die Verbindung ein seit langem offenes Geheimnis: Russland verkauft bereits seit 1959 den Großteil seiner immensen Vorkommen an Rohdiamanten an De Beers. Jeder vierte Diamant, den der südafrikanische Branchenführer verkauft, stammt aus Sibirien. Im ersten Halbjahr 2002 setzte De Beers Diamanten für 2,84 Milliarden Dollar um. Doch erst seitdem EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti die gesamten Geschäftspraktiken De Beers untersucht, ist er auch auf die engen Beziehungen des südafrikanischen Diamantengiganten zu Russland aufmerksam geworden. Die EU-Untersuchung könnte das Ende der profitablen Verbindung bedeuten.
Für Russland bedeutet der Großvertrag mit dem Diamantengiganten vor allem Devisen. Die harten Dollars von De Beers sollen die russische Diamantenindustrie sanieren und ausländische Investoren in die sibirische Diamantenförderregion Jakutsk locken, hofft die russische Regierung. "Russland betrachtet den Fünf-Jahres-Vertrag mit De Beers als Sicherheit gegenüber den westlichen Banken", sagte De Beers Statthalter in Russland, Ray Clark, dem "Journal". Mit dem Geld könne das Staatsunternehmen Alrosa dringend nötige Investitionen bestreiten.
Sollte die EU-Kartellbehörde ihren Monopolverdacht bestätigt sehen und den Russland-Deal wieder rückgängig machen, würde dieser Rückschlag De Beers wohl empfindlich treffen. Wann die Behörde ihre Entscheidung treffen wird, ist allerdings noch nicht bekannt.
Montis Motivation dürfte anstacheln, dass Menschenrechtsorganisationen De Beers seit Jahren vorwerfen, die medizinische Versorgung seiner 11.000 Arbeiter in südafrikanischen Minen katastrophal bis gar nicht zu gewährleisten. Zwölf Prozent der Arbeiter sind laut Konzernangaben mit Aids infiziert - doch erst seit kurzem hat sich De Beers nach immensem öffentlichen Druck bereit erklärt, kostenlose Medikamente an seine Angestellten auszugeben.