"Monster"-Vergleich Ackermann warnt vor Dämonisierung der Finanzmärkte
Frankfurt am Main - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat vor einer überzogenen Kritik gegen die Wirtschaft gewarnt. "Es wäre schädlich für unser künftiges Wirtschaftswachstum und unseren Wohlstand, Finanzinnovationen generell zu dämonisieren", sagte Ackermann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in einem Interview.
Erst am 14. Mai hatte Bundespräsident Horst Köhler in einem Interview mit dem "Stern" harsche Kritik an der Bankenbranche geübt. Jedem verantwortlich Denkenden in der Branche müsse nach der Finanzkrise klar geworden sein, "dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss", sagte Köhler.
Den Vorstoß des Bundespräsidenten wollte Ackermann explizit nicht kommentieren: "Mir kommt es darauf an, dass alle Beteiligten - Geschäftsbanken, Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und Zentralbanken - auf der Basis einer sauberen, differenzierten Ursachenanalyse gemeinsam den Schaden infolge der aktuellen Finanzkrise begrenzen, aus der Krise lernen und so einer Wiederholung vorbeugen", sagte er das "FAS". "Kurz: Ich bin an einer Problemlösung interessiert, an nichts anderem."
Ackermann lehnte es zudem ab, das von Köhler geforderte Schuldbekenntnis zu geben. "Ich fühle mich da nicht angesprochen", sagte Ackermann. Schon im vergangenen Sommer habe er in einer populären Talk-Show gesagt, dass die Banken Fehler gemacht haben, auch die Deutsche Bank.
Den Vorwurf, im Verlauf der Krise habe die Gefahr des Zusammenbruchs der Weltfinanzmärkte bestanden, wies Ackermann ebenfalls zurück: Davon könne keine Rede sein. Er sehe auch "keine Anzeichen für eine neue Weltwirtschaftskrise." Die Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft nannte er "erträglich".
Der Deutsche-Bank-Chef plädierte dafür, "auf Basis einer sauberen Ursachenanalyse gemeinsam den Schaden infolge der aktuellen Finanzkrise zu begrenzen." Anders als Köhler will er aber nicht den Internationalen Währungsfonds zu einem neuen Aufsichtsorgan für die Stabilität der Finanzmärkte machen. Stattdessen sprach Ackermann sich dafür aus, "eine Art Weisen-Rat zu gründen, der systematisch nach möglichen Übertreibungen forschen und rechtzeitig Alarm schlagen kann".
ssu/AP/dpa/ddp/Reuters