Motorola: Optimismus trotz roter Zahlen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Motorola Optimismus trotz roter Zahlen

Die Nummer Zwei unter den Handyherstellern machte im zweiten Quartal einen Nettoverlust von mehreren hundert Millionen Dollar. Motorola und die Analysten sind trotzdem optimistisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Chicago - Insgesamt 759 Millionen Dollar oder 35 Cents pro Aktie betrage der Nettoverlust im zweiten Quartal dieses Jahres, teilte Motorola am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit. Das zweite Quartal in Folge verzeichnete Motorola nun zudem operative Verluste, die diesmal 232 Millionen Dollar oder elf Cents je Aktie betrugen, verglichen mit Gewinnen von 551 Millionen Dollar oder 25 Cents je Aktie im zweiten Quartal 2000. Analysten hatten im Schnitt einen Verlust von zwölf Cents erwartet. Für die Zukunft zeigte sich Motorola dennoch optimistisch.

Die Motorola-Aktie   verzeichnete im Anschluss an die Mitteilung nachbörsliche Kursgewinne auf 16,67 Dollar. Zuvor war die Aktie an der Wall Street noch mit einem Gewinn von 1,1 Prozent bei 15,67 Dollar aus dem regulären Handel gegangen.

"Der Rückgang bei den Aufträgen für Kommunikationsausrüstung ist schlimmer als viele in der Branche zuerst gedacht hatten", sagte Motorola-Chef Christopher Galvin. Die Branche zeige sich fundamental schwach. "Das Ungleichgewicht zwischen Lagerbeständen und Nachfrage hat sich auf Europa ausgebreitet," sagte Galvin.

Bereits im April hatte Motorola davor gewarnt, dass das Ergebnis im zweiten Quartal wohl ein paar Cents schlechter ausfallen werde als im Auftaktquartal 2001, als ein operativer Verlust von neun Cents je Aktie verbucht wurde. Beim Umsatz verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben im zweiten Quartal einen Rückgang von 19 Prozent auf 7,5 (Vorjahr 9,3) Milliarden Dollar. Noch im April war die Nummer zwei der Handyhersteller nach Nokia   davon ausgegangen, dass der Umsatz im zweiten Quartal etwas über den 7,8 Milliarden Dollar des Auftaktquartals liegen werde. Im Zusammenhang mit den laufenden Restrukturierungen im Konzern verbuchte Motorola im zweiten Quartal Aufwendungen von 496 Millionen Dollar vor Steuern.

Rezessionsartige Umgebung

Motorola-Chef Galvin äußerte sich dennoch positiv zu der Performance im zweiten Quartal und zu den Aussichten des Konzerns. "Wir wissen, wie wir in einer rezessionsartigen Umgebung zurecht kommen," sagte Galvin. Alle Geschäfte des Konzerns blieben weiterhin darauf ausgerichtet, eine starke Bilanz aufzuweisen und den operativen Cash Flow zu verbessern. Aus seinen Geschäften habe Motorola im Quartal einen starken positiven Cash Flow generiert. Zudem seien die Lagerbestände gesunken, auch lägen die Gesamtschulden niedriger. Trotz der weltweiten wirtschaftlichen Abschwächung würden die neuen Produkte des Unternehmens von Verbrauchern und Unternehmenskunden viel Aufmerksamkeit erfahren, sagte der Konzernchef weiter.

Das Mobiltelefongeschäft zeige bereits wieder einige Zeichen einer Erholung. Zudem wird nach Einschätzung von Galvin die Halbleiterbranche im kommenden Jahr wahrscheinlich wieder zweistellige Wachstumsraten aufweisen. Wieder anziehende Nachfrage und die zurückgefahrenen Kapazitäten in beiden Bereichen würden zudem einen Abbau der Lagerbestände zur Folge haben. Es sei zu erwarten, dass die Lagerbestände mit der Zeit wieder ein normales Niveau erreichen, so der Konzernchef.

In den meisten Geschäftsfeldern verzeichnete Motorola indes im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang. Im der Mobiltelefonsparte gingen die Umsätze nach Unternehmensangaben um 25 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar zurück. Im Halbleitergeschäft sanken die Umsätze um 38 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. In der Telekom-Infrastruktur verzeichnete Motorola nach eigenen Angaben einen Umsatzrückgang von 14 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar.

Die Analysten der Dresdner Kleinwort Wasserstein sehen in den Zahlen keinen Grund zur Beunruhigung - im Gegenteil "Die Anleger sollten vorsichtigen Optimismus für eine Erholung im zweiten Halbjahr hegen."

In Anbetracht der Motorola-Pläne zur Restrukturierung und Kostensenkung rechnen die Experten mit einer Trendwende im Jahr 2002 oder 2003: Das Unternehmen senke Kosten durch den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen und stärke seine Wettbewerbsfähigkeit durch die Herstellung von GSM-Handys und durch zunehmende Auftragszahlen aus China. Daher hielten die Analysten ihre Wertung "Buy" für die Aktie aufrecht. Ihr Kursziel liege bei 20 Dollar.