Mülltrennung: Countdown für den Gelben Sack - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mülltrennung Countdown für den Gelben Sack

Wirbel um die Mülltrennung: Ein "Bild"-Bericht, wonach der Gelbe Sack bald abgeschafft werden solle, wurde heute zwar dementiert. Das Umweltbundesamt räumt aber ein, dass neue Sortieranlagen die Mülltrennung langfristig überflüssig machen könnte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Kurzfristig stünden der "Gelbe Sack" und die "Gelbe Tonne" als Symbol des Trennens von verwertbaren Verpackungen und Restmüll nicht vor dem Aus, stellte das Umweltbundesamt (UBA) heute klar. Damit widersprach es einen "Bild"-Bericht, in dem zu lesen war, dass alle Abfälle - mit Ausnahme von Papier und Glas - künftig in einer Tonne gesammelt werden könnten.

"Bild" hatte auf der Seite eins die Überschrift gedruckt: "Gelber Sack soll abgeschafft werden". Hintergrund sei, dass moderne Sortieranlagen besser als der Mensch Verwertbares aus dem Restmüll holen könnten, so der Bericht des Blattes.

"Die Trennung von Abfällen aus den Haushalten steht nach Meinung des Umweltbundesamtes nicht in Frage", hieß es dazu aus Berlin. Es gebe zwar derzeit Tests mit Anlagen, die die Haushalts-Abfälle vollautomatisch nach Wertstoffen wie Kunststoff, Glas, Metall oder Papier trennten. Ob damit den Verbrauchern bundesweit das Sortieren erspart bleiben könne, stehe aber noch nicht fest.

Allerdings räumt auch das Amt ein, dass ein Aus für den vor 15 Jahren eingeführten Gelben Sack längerfristig eine Option ist. Ausschlaggebend sei jedoch, ob die neue Form der Trennung auch wirtschaftliche Vorteile habe. Dafür sei ein langfristiger Großversuch nötig.

Erste Testläufe hat es bereits in einigen Kommunen in Rheinland-Pfalz sowie in Leipzig gegeben, in Nordrhein-Westfalen stehen sie bevor. Dabei werfen die Bürger wieder alle Verpackungen und sämtlichen Restmüll in die graue Tonne. In modernen Test-Anlagen, wie es sie in Essen und Trier gibt, werden die Abfälle dann automatisch getrennt.

Umweltschützer: DSD zielt leider nur noch auf Rendite

Hintergrund ist die zunehmende Trennungs-Müdigkeit der Bürger. In der grauen Tonne, also im Restmüll, landen nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe bis zu 35 Prozent Wertstoffe, die noch anderweitig genutzt werden können. Darunter sind auch viele Verpackungen vom Joghurtbecher bis zum Waschmittelpaket, die in die Gelbe Tonne gehören. Viele Kommunen setzen deshalb auf eine Trennung per Maschine.

Die FDP und die Deutsche Umwelthilfe bekräftigten ihre Kritik an der Gelben Tonne und dem Gelben Sack, "Die deutschen Haushalte wurden durch die jetzige Mülltrennung lange genug geplagt", erklärt FDP-Umweltexpertin Birgit Homburger. Die Trennung von Hand sei "technisch überholt". Auf Bundesebene gibt es hierfür allerdings noch keine politische Mehrheit. Bereits Ende 2003 scheiterte die FDP im Bundestag mit einem Antrag zur Abschaffung des Gelben Sacks.

Doch auch bei Umweltschützern ist die Gelbe Tonne umstritten. "Wir sind große Skeptiker des Grünen Punkts", sagt Eva Leonhardt von der Deutschen Umwelthilfe. Grund sind die schlechten Verwertungsquoten. Aber auch die Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD) durch den US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) Anfang 2005 bereitet der Umwelthilfe Unbehagen.

Dem 1990 als Non-Profit-Organisation gegründeten DSD gehe es inzwischen "allein um den Preis", sagt Leonhardt. Eine DSD-Sprecherin sagte dagegen, es habe sich an der Geschäftstätigkeit "nichts geändert". Die Firma verfolge weiter hohe Umweltstandards. Für das Bundesumweltministerium steht fest: "Mit der Gelben Tonne erfassen wir die Wertstoffe in besserer und sauberer Qualität." Die Mülltrennung und die Gelbe Tonne stünden daher "nicht zur Debatte

itz/AFP

Mehr lesen über