Mummert-Consultant Hoffmann: Risiko Technik - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mummert-Consultant Hoffmann Risiko Technik

Nach Ansicht von Andreas Hoffmann, Senior Consultant bei Mummert+Partner, könnte die Technik für die UMTS-Netzbetreiber zur Achillesferse werden. Er glaubt nicht, dass alle UMTS-Lizenznehmer schwarze Zahlen erreichen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Wie können die Lizenznehmer mit UMTS Geld verdienen?

Andreas Hoffmann: Für uns ist die interessanteste Perspektive der Business-Bereich, beispielsweise für Videokonferenzen. Hier dürften die Kosten auch sekundär sein. Das Problem ist nur, dass dies natürlich nicht ausreicht. Auf dem Privatmarkt wird es viel schwieriger, dem Kunden Leistungen anzubieten, die Gewinne einbringen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein privater Mobilfunknutzer für die Minute Video fünf Mark zahlen wird. Hier müssen die Angebote preiswerter sein.

SPIEGEL ONLINE: Wann können die Netzbetreiber mit Gewinnen rechnen?

Hoffmann: Wir erwarten das frühestens in zehn Jahren. Und das gilt nur für die Großen, die mit ihrem Kundenpotenzial eine gewisse Übermacht haben. Ich denke nicht, dass alle UMTS-Lizenznehmer schwarze Zahlen erreichen werden.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist mit denen, die keine Lizenz ersteigert haben?

Hoffmann: Ganz klar haben die, die beiden hohen Lizenzgebühren nicht bis zum Ende mitgesteigert haben, einen Vorteil. Debitel und Talkline sind jetzt in der genialen Situation, dass sie sich ihren UMTS-Partner aussuchen können. Sie können sich zurücklehnen und abwarten, während bei den anderen die Kosten schon jetzt laufen. Die Netzbetreiber sind in einer viel schlechteren Situation: Sie müssen dafür sorgen, die Netze aufzubauen und auszulasten.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie für das größte Risiko bei UMTS?

Hoffmann: Das größte Risiko ist meines Erachtens die Technik. Die Angebote, die Kunden und damit die Umsätze sind vom Unternehmen noch plan- und steuerbar. Aber bei der Technik sind die Anbieter ihren Lieferanten vollständig ausgeliefert. Gibt es dort Probleme - und die Technologie ist noch nicht vollständig augereift, dann bringt das die Businesspläne völlig durcheinander, ohne dass die Netzbetreiber eine Chance haben, dagegen etwas zu tun.

Die Fragen stellte Carsten Matthäus