Musikbranche: EMI kapituliert bei Warner-Übernahme - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Musikbranche EMI kapituliert bei Warner-Übernahme

Jahrelang hatte sich EMI um den Wettbewerber Warner Music bemüht. Jetzt hat der britische Musik-Konzern den Übernahmeversuch abgeblasen. Hintergrund: Ein Gerichtsurteil, das Fusionen in der Branche erheblich erschwert - und die Konzerne tief in die Krise stürzte, wie jetzt offensichtlich wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Zuletzt hatte EMI 4,6 Milliarden Dollar für den US-Konkurrenten Warner Music geboten. So wollte der britische Konzern im schwierigen Geschäft endlich wieder Schlagkraft gewinnen. Auch für Warner wäre die Fusion nach einhelliger Expertenmeinung wirtschaftlich mehr als sinnvoll gewesen. Seit Jahren waren deshalb bereits Versuche unternommen worden, beide Konzerne zu fusionieren. Dabei hatte Warner Music auch selbst Übernahmegebote für EMI vorgelegt.

Nun gibt EMI auf. Eine entsprechende Mitteilung des Musikverlags werde am Berichtstag erwartet, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mehrere Personen mit Kenntnissen des Vorhabens. Kreise bestätigten den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Entscheidung dürfte EMI schwer gefallen und für Warner ein harter Schlag sein. Seit Jahren kämpfen die Konzerne der Branche gegen Umsatzeinbußen, unter anderem durch Zusammenschlüsse. Hintergrund sind der Erfolg neuer Medien wie Internet und Videospiele sowie der Run auf kostenlose Internet-Musiktauschbörsen.

Der Rückzug sei Folge einer Entscheidung eines EU-Gerichtes, das den Zusammenschluss der Musiksparten von Bertelsmann und Sony vor kurzem untersagt hatte, heißt es in den Kreisen. Der Zusammenschluss von Sony Music mit der Musiktochter BMG der Bertelsmann AG muss nun erneut geprüft werden. Im Rahmen des Urteils stellten die Richter eine kartellrechtliche Freigabe einer weiteren Fusion in der Branche grundsätzlich in Frage.

Die Entscheidung des EU-Gerichts war ein Schock für die sogenannten Major Labels, die in Zusammenschlüssen die einzige Rettung im härter werdenden Wettbewerb sehen. Die Aktienkurse von EMI und Warner Music waren nach dem Richterspruch zunächst heftig ins Trudeln geraten. Bei Marktführer Universal dürfte man sich angesichts der heutigen Nachricht allerdings die Hände reiben. Der Branchenriese beherrscht rund ein Viertel des Weltmarktes.

ase/Dow Jones/reuters

Mehr lesen über