Nach BGH-Urteil: Ackermann unter Beschuss - DER SPIEGEL
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Nach BGH-Urteil Ackermann unter Beschuss

Was macht Josef Ackermann? Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofes, den Mannesmann-Prozess erneut aufzurollen, richten sich alle Blicke auf den Deutsche-Bank-Chef. Der beteuert, an Bord bleiben zu wollen. Doch viele Kritiker wollen seinen Rücktritt.
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Hamburg - Klaus Tolksdorf, Richter des 3. Strafsenats am Bundesgerichtshof (BGH), fand wenig angenehme Worte für die Freigesprochenen im Mannesmann-Verfahren, als er heute das Urteil der ersten Instanz aufhob. Es müsse noch einmal klargestellt werden, dass Vorstände und Aufsichtsräte kein eigenes Vermögen verwalteten, sondern fremdes. Sie seien nicht "Gutsherren, sondern Gutsverwalter", sagte der Jurist.

Nun wird der Prozess wieder vor dem Landgericht Düsseldorf aufgerollt. Erneut müssen sich die Angeklagten für die an Mannesmann-Manager geleisteten Geldzahlungen im Zuge der Übernahme des Konzerns durch Vodafone vor fünf Jahren rechtfertigen. Im Zentrum des öffentlichen Interesses steht dabei einmal mehr der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Der Manager saß damals im Mannesmann-Aufsichtsrat und hat die Prämien mit abgenickt.

Für Ackermann und seinen Arbeitgeber kommt ein neues Verfahren zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Deutsche Bank hat derzeit ein Imageproblem. Der jüngst havarierte Immobilienfonds Grundbesitz-Invest hat dem Geldkonzern harsche Kritik am Krisenmanagement eingebracht. Wenn jetzt auch noch der Vorstandssprecher wegen "Gutsherrentum" monatelang im Gerichtssaal sitzt, wird das Desaster perfekt.

Schon machen Rücktrittsgerüchte die Runde. Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Rolf Breuer befeuerte heute Spekulationen um Ackermanns vorzeitigen Abgang, als er in einem Interview mit der "Financial Times" verkündete, bereits nach einem Nachfolger zu fahnden. "Ich habe meine Denkkappe auf", erklärte der Chefkontrolleur und sagte, dass er einen Kandidaten aus dem eigenen Haus bevorzuge.

Dass Breuer nachschob, der Aufsichtsrat sei überzeugt, dass sich Ackermann richtig verhalten habe und dass die Bank ihn zum Bleiben auffordern würde, fiel da kaum noch ins Gewicht. Seine Aussagen kommen einem Startschuss für das Nachfolgerennen gleich. Entsprechend versuchte die Bank gegenzusteuern. "Berichte über eine Nachfolgersuche seien Spekulationen", erklärte ein Sprecher. Demonstrativ stellten sich die Kontrolleure am Nachmittag hinter Ackermann und sprach ihm sein "uneingeschränktes Vertrauen" aus. "Der Aufsichtsrat hat keinen Zweifel daran, dass Herr Dr. Ackermann seine Arbeit erfolgreich fortsetzen wird und unterstützt ihn dabei", hieß es in einer Pressemittelung.

Am Abend meldete sich auch Ackermann selbst zu Wort. Er werde auch weiterhin als Vorstandssprecher die Geschäfte der Bank leiten, sagte er in München am Rande einer Tagung der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD). Der große Zuspruch und die Unterstützung, die er in den vergangenen Tagen von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären der Bank erfahren habe, hätten ihn in dieser Entscheidung bestärkt, so Ackermann weiter.

"Der Schaden für die Bank wird immer größer"

An anderer Stelle kann von Zuspruch allerdings keine Rede sein. Dort fordert man nach der BGH-Entscheidung Konsequenzen. "Solange er Vorstandssprecher bleibt, ist der Fall Mannesmann auch immer ein Fall Deutsche Bank", sagte die Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Reinhild Keitel, in Frankfurt. Um die ständige öffentliche Aufmerksamkeit von der Bank fernzuhalten, sei ein Rücktritt Ackermanns daher die beste Lösung.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verlangte, Ackermann müsse über einen Rücktritt nachdenken. "Der Schaden für die Bank wird immer größer", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz in Düsseldorf. Das Geldhaus schlittere von einer Imagekatastrophe in die nächste. Die Deutsche Bank sei gut beraten, für ihren mitangeklagten Vorstandschef Josef Ackermann einen Nachfolger zu bestimmen, sagte Joachim Schwalbach, Professor für Internationales Management an der Humboldt-Universität Berlin. Für das Geldinstitut sei der anstehende erneute Prozess kaum durchzuhalten.

Die Aufregung nutzend brachten sich auch die Regierungsparteien in Position und setzte Ackermann unter Druck. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sagte der "Financial Times Deutschland": "Es ist auch die Aufgabe des Aufsichtsrates, sich mit der Frage auseinander zu setzen, ob eine große deutsche Bank so geführt werden kann." Ähnlich kritisch äußerte sich der Finanzexperte der Union, Otto Bernhardt: "Die hohe Zahlung hat dem Ansehen der deutschen Wirtschaft geschadet. Die Bevölkerung hat kein Verständnis für solche Zahlungen." Auch Bernhard erwartet, dass Ackermann zurücktreten werde, um Schaden von der Bank abzuwenden.

Vorsichtiger äußerten sich die Börsianer. Man könne nicht mehr ausschließen, dass Ackermann geht, sagte Analyst Matthias Engelmayer von Independent Research. Allerdings werde es aus der Bank heraus oder vom Aufsichtsrat kaum Druck auf Ackermann geben: "Es wird nicht an seinem Stuhl gesägt".

Für Konrad Becker vom Bankhaus Merck Fink hängt nun alles davon ab, ob und inwieweit der Bundesgerichtshof in seiner Begründung eine Vorgabe für den neuen Prozess macht. Könnten Ackermanns Anwälte daraus die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung ablesen, werde er sicherlich zu einem Entschluss kommen. Nach Ansicht Beckers ist beides möglich, sowohl einen Rücktritt Ackermanns, als auch ein Verbleiben im Amt. Er rechnet aber nicht damit, dass Ackermann in den kommenden Tagen zurücktritt, sondern sich für seine Entscheidung "ein paar Tage Ruhe" gönnt.

"Alles auf Null"

Tatsächlich muss ein neuer Prozess nicht zwingend zur Katastrophe für Ackermann führen. Dessen Anwälte rechnen mit einem relativ kurzen Revisionsverfahren. Das Verfahren vor dem Landgericht Düsseldorf werde etwa nur halb so lange dauern wie der erstinstanzliche Prozess, machte Anwalt Eberhard Kempf deutlich. Seinerzeit hatte das Verfahren etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Die Verteidiger hätten im Vorfeld mit allen Möglichkeiten gerechnet. Insofern sei es keine "erstaunliche Entscheidung" gewesen, die die Anwälte dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank mitgeteilt hätten.

Ackermanns zweiter Verteidiger Klaus Volk machte deutlich, dass das Verfahren mit dem BGH-Entscheid wieder "auf Null gestellt" und damit "alles offen" sei. Kempf fügte indes hinzu, dass aus seiner Sicht eine Verurteilung Ackermanns nicht wahrscheinlicher geworden sei.

Auch hat der Bundesgerichtshof für das neue Mannesmann-Verfahren Hinweise gegeben, die die Vorwürfe gegen den Deutsche-Bank-Chef relativieren könnten. Im Fall Ackermann und zweier weiterer Angeklagter würden Schuld und Unrecht dadurch relativiert, dass sie bei der Gewährung der umstrittenen Prämien "ohne Selbstbereicherungsabsicht" gehandelt hätten, sagte der Richter Tolksdorf zum Abschluss seiner Urteilsbegründung. Die Frage ist, ob Ackermann sich und der Bank die Zeit geben will, in einem weiteren Verfahren diese Chance zu nutzen.

Jörn Sucher

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