Nach der Pleite Feinripp-Hersteller Schiesser wird verkauft
Konstanz - Der Verkauf von Schiesser ist beschlossene Sache. Ein Gläubigerausschuss habe dem zugestimmt, teilte das insolvente Unternehmen aus Radolfzell am Bodensee am Mittwoch mit. Den Angaben zufolge gibt es eine Reihe von Firmen, die an einer Übernahme von Schiesser interessiert sind.
Als Favorit gilt der Potsdamer Modemacher Wolfgang Joop - allerdings nur, wenn die Schiesser-Eigentümerfamilie Bechtler nicht zum Zug kommt. Diese will sich angeblich ebenfalls am Bieterprozess beteiligen und hat angeblich schon am Wochenanfang ein Angebot vorgelegt. Bisher ist aber noch unklar, wie diese Offerte aussieht. Es könnte sich um eine Kapitalerhöhung oder um einen Forderungsverzicht handeln.
Insolvenzverwalter Volker Grub rechnet jedenfalls mit einem guten Verkaufspreis. Im laufenden Geschäft ist der Wäscheproduzent in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. "Die Insolvenz hat Sympathien für die Marke Schiesser geweckt", sagte Grub.
Grub zufolge wuchs der Umsatz von Schiesser im ersten Halbjahr 2009 um rund drei Prozent auf 60 Millionen Euro. Der Gewinn betrug zwischen Januar und Mai vor Abschreibungen 1,5 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum 2008 war noch ein Verlust von 300.000 Euro entstanden. Die Bestellungen für die Herbstmode lägen sechs Prozent über den Planungen, erklärte Grub. Bei der Winterware seien es sogar zwölf Prozent.
Schiesser ist vor allem wegen unrentabler Lizenzgeschäfte in eine Schieflage geraten. Von den Schulden in der Höhe von rund 80 Millionen Euro, die in den vergangenen vier Jahren aufgelaufen sind, stammen 51 Millionen aus der Produktion für Fremdfirmen wie Puma, Tommy Hilfiger oder Mexx.
Inzwischen ist Schiesser aber aus den meisten Lizenzverträgen ausgestiegen. Die Zahl der Schiesser-Mitarbeiter ging seit Ende 2008 um rund 500 auf nun 2000 zurück. Am Stammsitz in Radolfzell arbeiten nach der Streichung von 90 Jobs noch etwa 510 Menschen.