Nach Milliardenverlust: Conti weitet Kurzarbeit aus - DER SPIEGEL
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Nach Milliardenverlust Conti weitet Kurzarbeit aus

Continental hat 2008 ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro verzeichnet. Jetzt kündigt der Reifenhersteller Sparmaßnahmen an. Auf der Agenda stehen eine Ausweitung der Kurzarbeit, die Ausgabe neuer Aktien - und der Verkauf von Firmenteilen.
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Hannover - In Reaktion auf die Absatzkrise am Automarkt will Continental weitere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. In den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie in der Verwaltung seien kürzere Arbeitszeiten geplant, sagte Firmenchef Karl-Thomas Neumann am Donnerstag in Hannover.

"Im Januar waren in Deutschland 7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit", sagte Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente. "Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl erhöhen wird in den nächsten Monaten." Mehr als 10.000 Angestellte könnten bald kurz arbeiten. Über darüber hinaus gehende Einschnitte sei noch nicht entschieden.

Um die geplante Entschuldung des Konzerns zu erreichen, schließt Conti auch die Ausgabe neuer Aktien nicht aus. "Eine Kapitalerhöhung morgen am Aktienmarkt zu machen, wäre Quatsch", sagte Neumann. "Aber wir müssen 2010 etwas machen." Auch der Verkauf von Firmenteilen sei denkbar. "Es gibt keinen aktiven Verkaufsprozess für die Rubber Group", sagte Vorstandsmitglied Hans-Joachim Nikolin. Die Vorbereitungen dafür, die Gummi-Sparte aus dem Konzernverbund herauszulösen, liefen allerdings weiter und würden noch einige Monate in Anspruch nehmen.

1,12 Milliarden Euro Verlust hat Conti im vergangenen Jahr gemacht. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 1,02 Milliarden erwirtschaftet. Das negative Konzernergebnis gehe vor allem auf Abschreibungen in Höhe von 1,23 Milliarden Euro in zwei Zuliefersparten zurück, sagte Neumann am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz.

Verluste entstanden dem Konzern zudem durch Schuldenabbau im Zuge der Übernahme der Siemens-Tochter VDO. Der Autozulieferer hat durch die Fusion hohe Schulden gemacht (siehe Grafik). Durch die Abschreibungen verringerten sich diese nun um rund 373 Millionen Euro auf gut 10,5 Milliarden Euro. Der Schuldenabbau habe weiter oberste Priorität, hieß es.

Der Umsatz legte wegen des VDO-Zukaufs von 16,6 auf 24,2 Milliarden Euro zu, die Umsatzrendite sank dagegen von 11,1 auf 7,6 Prozent. Damit erreichte Conti immerhin seine erst im Dezember auf 7,5 bis 8,0 Prozent gesenkte Zielmarge, die um die Abschreibungen auf den VDO-Zukauf sowie um Restrukturierungs- und Integrationsaufwendungen bereinigt ist.

Die Schätzungen von Branchenexperten verfehlte Conti allerdings. Analysten hatten für das Gesamtjahr im Schnitt mit einem Verlust von 239 Millionen Euro, einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 625 Millionen und einem Umsatz von 24,8 Milliarden gerechnet.

Angesichts der Krise verzichtete Conti auf eine konkrete Prognose. Allerdings sei mit einer Beschleunigung des Umsatzrückgangs in den Automotive-Divisionen zu rechnen, kündigte das Unternehmen an. "Es ist anzunehmen, dass es im laufenden Jahr zu erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen kommt", sagte Firmenchef Neumann.

Die schlechte Conti-Bilanz trifft auch den Wälzlagerhersteller Schaeffler, der den Reifenhersteller kürzlich übernommen hat - und sich selbst bei der Finanzierung des Kaufs verhoben hat. Die Schaeffler-Familie setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, um mit Staatshilfen das eigene Überleben zu sichern. Ein Rettungskonzept will Schaeffler Unternehmenskreisen zufolge innerhalb der nächsten zwei Wochen vorlegen.

"Wir arbeiten proaktiv mit Schaeffler zusammen, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit oder der Integration der Automotive-Sparten auszuloten", sagte Conti-Chef Neumann. "Wir rechnen aber damit, dass es noch einige Monate dauert, bis ein umsetzungsfähiges Konzept steht."

Falsch eingesetzte Staatshilfe für Schaeffler könnte aus Sicht von Conti-Arbeitnehmervertretern allerdings Stellen kosten. Es müsse sichergestellt werden, dass Schaeffler nicht mit Hilfe von Bürgschaften in die Lage versetzt werde, alle Conti-Aktien zu behalten und Continental finanziell auszusaugen, erklärte der im Conti-Aufsichtsrat sitzende Betriebsrat Erwin Wörle am Donnerstag.

"Für Forschung, Entwicklung und Investitionen würden Finanzmittel fehlen und die derzeitige Marktposition könnte nicht gehalten werden. Eine Halbierung der Belegschaft im Verlauf von zehn Jahren wäre dann durchaus möglich." Es müsse gewährleistet werden, dass für Continental eine Absicherung gegenüber der Finanznot von Schaeffler geschaffen wird. Im Namen der Betriebsräte der Conti-Tochter Temic forderte Wörle die Politik auf, sich für eine langfristige Beschäftigungssicherung einzusetzen.

ssu/AP/ddp/Reuters