Geldanlage Nach oben gespült
Franz Wagner aus Unterföhring hat immer einen Tip für Geldanleger. Besonders fleißig arbeite das Kapital, meint er, auf hoher See. Der Bayer wirbt in eigener Sache, er ist Reeder. Wer Geld in seine Schiffe stecke, so der Chef der Conti Reederei, könne auf jeden Fall Steuern sparen und vielleicht hohe Gewinne einfahren.
Das Geschäft gedeiht. Mehr als 140 Millionen Mark hat die bayerische Abschreibungsfirma 1992 bei betuchten Anlegern eingesammelt. »Das war das beste Ergebnis in unserer Firmengeschichte«, sagt Wagner, 61.
Conti ist die größte von zwölf Firmen in Deutschland, die sich auf die Finanzierung von Schiffbau spezialisiert haben. Fast alle erlebten in den vergangenen zwei Jahren einen überraschenden Boom. Über 850 Millionen Mark nahmen sie 1992 ein, mehr als jemals zuvor.
Ohne diese Finanziers könnten die meisten deutschen Reeder kaum noch existieren. Nur so bringen sie überhaupt das Geld für den Neubau eines Schiffes zusammen. Seit einiger Zeit geht das leichter als jemals zuvor.
Der graue Kapitalmarkt, abseits der üblichen Geldanlagen, bekommt einen erstaunlichen Schub. Auf einmal sind sie alle wieder da, die Finanzkünstler, die Steuertrickser und die wagemutigen Investoren. Sie bieten vor allem alte Ideen: Steuer-Sparmodelle.
Schlechte Erfahrungen aus früheren Jahren scheinen vergessen. Gutverdienende Deutsche legten ihr Erspartes in Bauherren- und Erwerbermodellen an, in Ölbohrungen und Herzkliniken. Doch viele haben, statt Steuern zu sparen, ein Vermögen verloren.
Die Anbieter von Seeschiffen gingen häufig unter, Firmenpleiten und Zwangsversteigerungen füllen die Register. Auch der Start des Conti-Gründers Ernst Willner war vor über 20 Jahren zunächst ein Flop.
Doch Geldanlagen in der Schiffahrt blieben verlockend, denn der Staat fördert Werften und Reeder wie kaum eine andere Branche. Damit in Deutschland gebaute Schiffe über die Weltmeere schippern, haben alle Regierungen stets reichlich Subventionen verteilt.
Die gibt es auch für die »Contship Asia«, die Wagner zur Zeit in Bremerhaven bauen läßt. Das Schiff soll 64 Millionen Mark kosten und 1600 Container tragen. Im Februar ist es vom Stapel gelaufen. _(* In der Bremerhavener Werft. )
Anleger können sich mit Beträgen ab 40 000 Mark an einer Kommanditgesellschaft beteiligen. Sie werden also Mitunternehmer. Aus Anlaufkosten und Abschreibungen bekommen sie Verlustzuweisungen, die sogar höher sein dürfen als der Kapitaleinsatz.
Der Einsatz lohnt sich für Spitzenverdiener mit einer hohen Steuerprogression. Die besten Conti-Kunden sind nach wie vor Rechtsanwälte oder Zahnärzte. »Zahngold-Reeder« werden sie gern genannt.
Wer etwa 100 000 Mark einzahlt, je zur Hälfte als Kapital und Darlehen kann als Spitzenverdiener (Steuersatz 53 Prozent) mehr als 50 000 Mark Steuern sparen. Nach etwa zwölf Jahren soll die »Contship Asia« zum halben Einstandspreis wieder verkauft werden. Die Anleger erhalten dann ihr Darlehen zurück sowie einen Anteil am Verkaufserlös. Die bayerischen Reeder rechnen mit Renditen zwischen neun und elf Prozent.
Ob die Rechnung tatsächlich aufgeht, ist völlig ungewiß. Trotz staatlicher Zuschüsse ist das deutsche Schiff teuer. Hinzu kommen happige Aufschläge für Verwaltung und Vertrieb des Anlagemodells, insgesamt fast zehn Millionen Mark, die erst verdient werden müssen.
In ihrem Prospekt verweist die Conti Reederei denn auch wahrheitsgemäß auf viele Risiken. Die Betriebskosten können steigen und die Frachtraten sinken. Der Dollarkurs, auf See die gängige Währung, ist kaum kalkulierbar.
Schließlich ist auch der Verkaufspreis des Schiffes im Jahr 2005 schwer abzuschätzen. Der Markt für gebrauchte Schiffe unterläge »starken zeitlichen Schwankungen«, warnt die Reederei. Und: »Die Gesellschafter sind am Gewinn und Verlust in vollem Umfang beteiligt.«
Warum die Kundschaft dennoch ihr Geld wieder besonders gern in die Steuerschiffe steckt, erklärt Volker Looman. Die Bonner Steuerdiskussionen, meint der Finanzexperte, habe »die Schiffe nun wieder nach oben gespült«.
»Die Leute werden ja richtig besoffen«, so Looman, »wenn sie hören, daß sie 50 Prozent Steuern sparen können.«
* In der Bremerhavener Werft.