Nach Schröder-Aussage Euro auf Rekordtief
Frankfurt am Main - Der Euro ist am Mittwoch auf das Allzeittief von 0,8817 US-Dollar gefallen. Für einen US-Dollar ergab sich somit ein Kurs von 2,2182 Mark. Im frühen Frankfurter Handel erholte er sich zwar leicht, die Devisenhändler sehen jedoch einen weiteren Rutsch des Euro voraus.
Schuld an dem Trend sei Gerhard Schröder: Der Kanzler hatte am Montag in Berlin gesagt, der kräftige Auslandsumsatz in Ostdeutschland sei auf den niedrigen Wechselkurs des Euro zurückzuführen. Daher sei der Kursverlust der Währung "mehr Anlass zur Freude als zur Sorge".
Viele Händler bezeichneten diese Aussage als schweren Fehler, der kaum wieder gutzumachen sei. Der deutsche Bundeskanzler freue sich anscheinend über die Euro-Schwäche. Der Handel nehme betroffen zur Kenntnis, dass Politiker, anders als Notenbanker, einen schwachen Euro tolerieren würden. "Die Märkte tendieren dazu, in solchen Dingen sehr grausam zu sein", sagte Russel Jones, Chef des Devisen-Research bei Lehman Brothers in London.
Schröders Aussage steht auch im Widerspruch zur offiziellen Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB), die letzte Woche noch einmal betont hatte, der Euro sei "deutlich unterbewertet". Die EZB hatte den Referenzkurs für die europäische Einheitswährung am Dienstag auf 0,8886 US-Dollar festgesetzt. Zum Rekordtiefstand wollte sie sich nicht äußern. "Wie üblich kommentieren wir Marktbewegungen nicht", sagte ein Sprecher am Mittwochmorgen.
Experten zufolge ist ein schwacher Euro nicht unbedingt ein Vorteil für die Exportwirtschaft. Die Kostenvorteile der europäischen Exporteure hätten im Mai bereits ihr Hoch erreicht. Jetzt komme es darauf an, die Konjunktur zu stabilisieren, und das sei nur mit einer stabilen Währung zu erreichen.