Nach US-Zinssenkung: EZB wird wahrscheinlich hart bleiben - DER SPIEGEL
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Nach US-Zinssenkung EZB wird wahrscheinlich hart bleiben

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Volkswirten dem Beispiel der US-Notenbank nicht folgen. Der Leitzins wird wohl unverändert bleiben.
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Frankfurt am Main - Vor allem die politische Diskussion um den Stabilitätspakt und die über dem EZB-Referenzwert liegende Inflationsrate dürften nach Einschätzung der Experten die Europäische Zentralbank von einer Leitzinssenkung abhalten: "Die EZB kann die Politik nicht zum falschen Zeitpunkt entlasten", begründet Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm seine Erwartung unveränderter Leitzinsen.

Der Konflikt zwischen der EZB und einer Reihe europäischer Regierungen über die strikte Einhaltung des Stabilitätspaktes sei noch nicht vom Tisch, sagte Ramm weiter. Je mehr Druck die Politik auf die Notenbank in Richtung Zinssenkung ausübt, umso hartnäckiger dürfte sich also der EZB-Rat im Gegenzug verhalten. Derzeit liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 3,25 Prozent. Zuletzt hatte der EZB-Rat den Leitzinssatz am 8. November 2001 um 0,5 Prozentpunkte gesenkt.

Hoher Erwartungsdruck auch von den Finanzmärkten

Hoher Erwartungsdruck kommt allerdings auch von den Finanzmärkten. Dort hatte die unerwartet kräftige Leitzinssenkung der US-Notenbank am Mittwochabend für kurze Zeit Spekulationen genährt, dass die EZB ebenfalls ihre Leitzinsen weiter nach unten schraubt. Die Hoffnungen erhielten jedoch schnell wieder einen Dämpfer: "Die Aussagen von EZB-Vertretern sind zu eindeutig gewesen", sagte Rainer Sartoris vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt. Mit einer Senkung sei frühestens zu Beginn des Jahres 2003 zu rechnen.

Die US-Investmentbank Merrill Lynch schätzt dagegen, dass eine mögliche Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte schon früher, nämlich im Dezember, kommt. Die Konjunkturdaten dürften sich bis dahin noch weiter abgeschwächt haben, so dass eine solche Entscheidung zu rechtfertigen sei. Die konjunkturelle Lage werde zwar schwach bleiben, die EZB-Strategie orientiere sich jedoch im Gegensatz zur Bank of England nur an dem Preisniveau. Dies könne dazu führen, dass Großbritannien trotz eines höheren Wirtschaftswachstums noch vor der Eurozone eine Leitzinssenkung bekomme.