Nahostkrise: Ölpreis steigt, Kurse stürzen - DER SPIEGEL
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Nahostkrise Ölpreis steigt, Kurse stürzen

Wegen der Nahost-Krise setzt der Ölpreis seinen Höhenflug fort. Benzinpreise steigen und Aktienkurse leiden - doch Bundeswirtschaftsminister Glos widerspricht Befürchtungen, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands verschlechtern wird.
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New York - An den Rohstoffmärkten hat sich die Rekordjagd bei den Ölpreisen nach einer Eskalation der Lage im Nahen Osten fortgesetzt. In der Nacht sprang der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI im asiatischen Handel zeitweise auf den Rekordwert von 78,40 US-Dollar. Erst im weiteren Handelsverlauf legten die Händler eine kleine Verschnaufpause ein und der WTI-Preis stand im späten Vormittagshandel bei 77,25 Dollar.

Beim Handelsauftakt an der Londoner Rohstoffbörse sprang der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent am Vormittag über die Marke von 78 Dollar und markierte einen neuen Rekordwert bei 78,03 Dollar. Die Ölpreise haben damit die bisherigen Rekordmarken vom Donnerstag übertroffen.

Gleich mehrere Experten hielten angesichts der wachsenden geopolitischen Risiken einen Sprung über die Marke von 80 Dollar schon in naher Zukunft für nicht mehr ausgeschlossen. "Der Sprung über die Marke von 80 Dollar beim Ölpreis scheint unausweichlich", sagte Analyst Victor Shum von der Energieberatungsgesellschaft Purvin and Gertz.

Heute hatten israelische Kampfflugzeuge zum dritten Mal innerhalb von 24 Stunden den internationalen Flughafen von Beirut bombardiert und damit die Sorge der Anleger vor einer weiteren Eskalation der Krise im Nahen Osten verstärkt. Bereits zuvor bombardierte die israelische Luftwaffe eine Reihe von Zielen im Libanon, darunter auch Treibstofflager und die Autobahn zwischen Beirut und Damaskus.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erreichte mit über 70 Dollar einen neuen Rekordstand. Das OPEC-Sekretariat teilte mit, dass ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells 70,38 US-Dollar kostet. Das waren 1,72 Dollar mehr als ein Tag zuvor. Die alte Rekordmarke vom vergangenen Freitag bei 68,77 Dollar wurde damit deutlich übertroffen. Der Korbpreis ist der Durchschnittspreis für elf wichtige Sorten des Kartells.

Ölpreisanstieg belastet Aktienkurse

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) widerspricht Befürchtungen, dass der jüngste Ölpreisanstieg die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands verschlechtern könnte. Heute hatten die hohen Ölpreise die Aktienkurse an der Deutschen Börse weiter nach unten gedrückt.

Er sei ziemlich optimistisch, dass Deutschland "trotzdem die Wachstumserwartungen erfüllen und vielleicht sogar übererfüllen werde", sagte Glos in Berlin. Die Bundesregierung erwartet bisher ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent für 2006. Die deutsche Wirtschaft sei bislang "sehr gut mit dieser Herausforderung zurecht gekommen", sagte der Wirtschaftsminister weiter.

Unterdessen steigen jedoch bundesweit auch die Benzinpreise. Nachdem der Mineralölkonzern Aral die Preise am Donnerstag einheitlich um drei Cent angehoben hatte, zog in der Nacht zum Freitag auch Esso mit Erhöhungen von zwei bis drei Cent nach. Bei Esso lag der Durchschnittspreis für Super bei 1,40 Euro und für Diesel bei 1,18 Euro. Weitere kurzfristige Preiserhöhungen seien nicht auszuschließen, sagte ein Unternehmenssprecher. Die bisherigen Rekordstände beim Benzinpreis wurden im September 2005 erreicht, als für Super im Schnitt 1,46 Euro und für Diesel 1,20 Euro gezahlt werden musste.

tim/ddp/dpa-AFX/AP