Nahverkehr Connex wirft Deutsche Bahn Schikane vor
Hamburg - Verzweifelt versucht die Deutsche Bahn (DB) in die Gewinnzone zu rollen. Mitte der neunziger Jahre stieß das Unternehmen deshalb den hoch defizitären Regionalverkehr ab - und will ihn nun wieder zurück. Mit verschiedenen Strategien will das Unternehmen Konkurrenten aus dem Regional- und Fernverkehr heraushalten - und hat damit offenbar erste Erfolge: Der private Bahnbetreiber Connex verzichtet darauf, auf der Stecke zwischen Duisburg und Heidelberg zu fahren. Auch der lukrative Streckenabschnitt zwischen Köln und Frankfurt am Main soll nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" nicht bedient werden.
Die DB-Netz habe Connex für die Verbindung zwischen Duisburg und Heidelberg eine Fahrzeit von gut sechs Stunden angeboten, sagte Hans Leister, Geschäftsführer des Regionalbahnbetreibers Connex (Nord-Ostsee-Bahn, Bayerische Oberlandbahn, Bergische Eisenbahn) der "Süddeutschen Zeitung". Von der DB wird die Strecke derzeit in lediglich dreieinhalb Stunden zurückgelegt. "Der gesamte DB-Konzern sieht sich als Kampfeinheit gegen die Wettbewerber", schimpfte Leister und sprach von eindeutigen Schikanen. Diese Bedingungen seien unzumutbar. Dem Unternehmen sei es nicht möglich, attraktive Angebote anzubieten.
Connex-Züge, so fordere die DB-Netz, sollten mehrere Zwangspausen von bis zu zwanzig Minuten einlegen. In Köln sollten die Züge mal im Hauptbahnhof und mal auf der anderen Rheinseite im Bahnhof Deutz einfahren, sagte Leister. Um zu verhindern, dass der größte private Konkurrent die Strecke zwischen Niebüll und Westerland/Sylt befährt, verweigere die DB-Netz die Trassenvergabe an den Wettbewerber.
Erst vor wenigen Tagen hatte Connex-Manager Leister gesagt: "Wir machen einen Aldi-Laden neben dem Feinkostgeschäft auf." Zu Billig-Angeboten befördert der Bahnkonkurrent, der mit einem Marktanteil von zwei Prozent im vergangenen Jahr 245 Millionen Euro Umsatz erzielte, Fahrgäste - mit Erfolg. Vier Monate nach dem Start liegt die durchschnittliche Zugauslastung auf der Strecke zwischen Gera und Rostock nach Angaben von Connex bei knapp 70 Prozent. An den Wochenende sei die Nachfrage so groß, dass ein dritter Triebwagen angehängt werden müsse. Wie Connex mitteilte fahren die Züge bei einer Auslastung von 50 Prozent schon rentabel.
Das Verhalten der Deutschen Bahn will sich Connex-Geschäftsführer Leister nicht länger gefallen lassen: Komme es zu keiner Einigung, dann "werden wir beim Eisenbahnbundesamt eine Beschwerde wegen Diskriminierung einreichen", kündigte Leister laut "Süddeutsche Zeitung" an.