Namensplan Deutsche Börse könnte das "deutsch" streichen
Frankfurt am Main - Werner Seifert denkt schon mal an die Zukunft. Beim nächsten Aktionärstreffen im kommenden Jahr könnte das Thema Umbenennung auf der Tagesordnung stehen, sagte der Chef der Deutschen Börse AG am Mittwoch. Und zur Begründung: "Unsere Corporate Mission, die Reichweite unseres Geschäftes, aber auch unsere Eignerstruktur wird immer weniger durch unseren Firmennamen abgedeckt." Einen Vorschlag machte Seifert aber noch nicht.
Zur Deutschen Börse AG gehört die weltgrößte Derivatebörse Eurex, die jüngst in die USA expandierte. Damit ist die Deutsche Börse AG dem Finanzplatz Frankfurt seit dem Börsengang 2001 entwachsen. Nur noch ein Viertel der Kunden kommt aus Deutschland, und auch die Mehrheit der Aktionäre sitzt im Ausland. Im Rahmen der - letztlich gescheiterten - Fusion mit der Londoner Börse LSE sollte das Unternehmen vor rund drei Jahren in "international exchanges - ix" umbenannt werden.
Seifert versprach weitere Expansion im Ausland. "Wir werden bestehende Chanchen nutzen", sagte Seifert auf die Frage eines Aktionärsvertreters zur Fortentwicklung der Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft. Zu Zeitpunkt und Ziel einer Fusion oder Übernahme wollte er sich nicht äußern. Seifert verwies darauf, dass die vier größten Unternehmen des Sektors bereits rund 80 Prozent der Umsätze auf sich vereinten. "Wenn wir uns hier in drei, vier Jahren wiedersehen, wird der Konzentrationsgrad in Europa wahrscheinlich auf mehr als 90 Prozent gestiegen sein", sagte er.
Regelmäßig wird in der Branche über den Aufkauf der Londoner LSE durch die Deutsche Börse oder den französisch dominierten Börsenverbund Euronext spekuliert. LSE-Chefin Clara Furse hatten sich Anfang Mai 2004 erneut offen für Fusionen gezeigt. "Wenn eine Vereinbarung mit einem anderen Handelsplatz möglich wird, die unser Modell angemessen berücksichtigt, werden wir das tun", hatte Furse gesagt.
Seifert betonte, für die Deutsche Börse komme es vor allem auf den Preis an. Man werde weder zu teuer kaufen noch Transaktionen durchführen, von denen Wettbewerber überproportional profitierten. Die Aktionäre ermächtigten den Vorstand zum Rückkauf von Aktien im Volumen von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals, die für Akquisitionen genutzt werden können. Die letzte große Akquisition des Frankfurter Unternehmens war die vollständige Übernahme des europäischen Wertpapierabwicklers Clearstream für rund 1,6 Milliarden Euro im Jahre 2002.