Neid-Diskussion Gewerkschafter wollen Manager-Gehälter deckeln
Prag - "Zu oft hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Vorstände Unternehmen eher als Vehikel zur eigenen Bereicherung betrachten, denn zum Wohle aller Betroffenen", heißt es in einem Brief an die Europäische Kommission, der am Rande des Kongresses verteilt wurde. Nicht mehr nur die Vorstände selbst sollten über die Gehälter bestimmen, auch die Beschäftigten sollten in den Entscheidungsprozess einbezogen werden, so die gemeinsame Forderung der rund 600 Delegierten europäischer Gewerkschaften.
Zudem wollen die Gewerkschafter die Besetzung der Aufsichtsräte überprüfen lassen. Zu viele Vorstände säßen nach dem Ausscheiden aus dem Management im Aufsichtsrat. Wenn aber Vorstände sich gegenseitig die Gehälter festsetzen, führe dies häufig zu horrend hohen Einkünften. Der Kongress sprach sich zudem für einen verbindlichen Kodex für Manager-Gehälter aus, der bei Zuwiderhandlung Sanktionen vorsieht.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte in einem Initiativantrag weiterhin, die sozialen und wirtschaftlichen Folgen bei Unternehmensfusionen in den Mittelpunkt zu stellen. Die meisten Firmenzusammenschlüsse hätten in den vergangenen Jahren keine Wertsteigerung gebracht, sondern zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet. Deshalb müssten Vorstände, Aufsichtsräte und Belegschaft die Möglichkeit bekommen, Fusionen wirksam zu widersprechen.
Außerdem setzten die Delegierten ihre Beratungen über ein neues Aktionsprogramm fort. Die Gewerkschafter fordern unter anderem mehr Einfluss auf die europäische Sozialgesetzgebung und eine stärkere Verankerung von Arbeitnehmerrechten in der europäischen Verfassung.
Außerdem steht ein Wechsel an der Spitze des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) an. Als einziger Kandidat für das Amt des Generalsekretärs bewirbt sich John Monks vom britischen Gewerkschaftsdachverband. Für das Präsidentenamt kandidiert der Vorsitzende des spanischen Gewerkschaftsverbandes, Candido Mendez - ebenfalls ohne Gegenkandidat. Reiner Hofmann soll als stellvertretender Generalsekretär den DGB in dem europäischen Gremium vertreten. Der 47-jährige Hofmann leitet derzeit das europäische Gewerkschaftsinstitut in Brüssel.