Nette Geste - DER SPIEGEL
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TOURISMUS Nette Geste

Wer mit einem Katalysator-Wagen nach Spanien fährt, muß aufpassen - bleifreies Benzin ist rar. *
• aus DER SPIEGEL 22/1988
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hoch und heilig, sagt Andreas Kippe vom Automobil-Club ADAC, hätten die Spanier versprochen, daß im Sommer alle entsprechend ausgerüsteten Tankstellen ausreichend mit bleifreiem Benzin versorgt würden. Doch das heilige Versprechen ist nicht viel wert: Es gibt zu wenige Bleifrei-Stationen.

Von den rund 5000 Tankstellen werden auch in der Hauptreisezeit nur 82 bleifreien Kraftstoff anbieten. Die meisten sind an der Sonnenroute am Mittelmeer entlang zu finden, von der Grenzstation La Junquera über Barcelona und Valencia bis Benidorm und Malaga. Ein paar Dutzend andere sind locker über das 500 000 Quadratkilometer große Spanien verteilt (siehe Graphik).

Das wird bitter für Ausländer, die mit modernen umweltfreundlichen Wagen ins Land kommen. Etwa 30 Millionen Besucher reisen jedes Jahr im Auto nach Spanien. Darunter sind rund drei Millionen Deutsche, die vielfach schon Autos mit Katalysator fahren. Der Katalysator aber, der die Abgase entgiften soll, geht zum Teufel, wenn der Motor verbleiten Kraftstoff verbrennt.

Lieber einen Kanister mit dem richtigen Stoff mitnehmen, rät der ADAC. Und: An Bleifrei-Tankstellen immer nachfüllen, auch wenn die Benzinuhr erst auf halb steht. Trotzdem wird wohl so mancher Ausflug ins Hinterland der Sonnenküste unterbleiben, weil der Autofahrer nicht dauernd in Angst leben möchte, daß er mitten in einer malerischen Einöde kein »gasolina sin plomo« findet.

Erst im Herbst 1989 muß auch Spanien, wie seine Partner in der EG, bleifreies Benzin anbieten. Ignacio Egea, im Madrider Industrieministerium zuständig für Mineralöl, sieht die Lage sehr gelassen. Es sei doch »eine sehr nette Geste« von Campsa, der staatlichen Vertriebsgesellschaft, wenn sie jetzt schon bleifreies Benzin anbiete.

Campsa ist eine Monopolgesellschaft. Sie versucht, so lange wie möglich aus ihrer Machtstellung und entsprechend willkürlichen Preisen Profit zu ziehen. Bei Bleifrei setzt das Unternehmen noch zu, weil Fahrzeuge im Inland bislang kaum darauf angewiesen sind.

Ohne Druck wäre auch die nette Geste gegenüber den Touristen nicht zustande gekommen. Campsa muß demnächst mit Konkurrenz rechnen: Madrid will das Monopol beenden, internationale Mineralölfirmen werden dann sofort Tankstellen bauen und beliefern - natürlich auch mit bleifreiem Kraftstoff.

An Wettbewerb aber sind viele spanische Firmen, darunter auch Tankstellen, noch nicht gewöhnt. So wird auch Mariano Fernandez, Präsident der Vereinigung privater Tankstellenbesitzer, dazulernen müssen. Bleifreies Benzin, sagt Fernandez ganz von oben herab, sei kein Thema. »Wir haben eine freie Marktwirtschaft, da kann jeder verkaufen, was am meisten Gewinn bringt.«

Die Marktwirtschaft, europäischen Stils, wird die Spanier zwingen, sich an den umweltfreundlichen Treibstoff zu gewöhnen. Lieferschwierigkeiten dürften sie kaum haben: Die spanische Ölgesellschaft Petronor exportiert schon jetzt tonnenweise die Substanz, die das Blei im Benzin ersetzt - und sie verkauft bleifreies Benzin in die USA.

[Grafiktext]

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