Neue Beraterverträge Gerster unter Dauerbeschuss
Nürnberg/Berlin - Wie das Blatt in seiner Samstags-Ausgabe berichtet, seien die entsprechenden Beratungsaufträge nach einer europaweiten Ausschreibung an fünf Firmen vergeben worden. Größter Auftragnehmer war das Unternehmen McKinsey Deutschland, auf das Beraterverträge in einem Gesamtvolumen von mehr als 16 Millionen Euro entfielen.
Die Auftragshöhe der Gerster-Agentur für die Unternehmensberatung Roland Berger lag bis zum 12. Januar 2004 bei 12,4 Millionen Euro. Ebenso wie das Berger-Unternehmen hatte auch McKinsey einen eigenen Experten in der Hartz-Kommssion platziert, die die Vorarbeiten für den Umbau der Arbeitsverwaltung übernommen hatte.
Der Unionsabgeordnete Karl-Josef Laumann kritisierte diese Praxis: Es sei "höchst bedenklich, dass eine Firma, die selbst in der Hartz-Kommission vertreten war, in erheblichen Umfang Folgeaufträge erhält".
Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Gerster und das Bundeswirtschaftsministerium haben am Freitag die insgesamt sechs Verträge mit der Unternehmensberatung Roland Berger im Volumen von 12,4 Millionen Euro bestätigt. Bei den Aufträgen handele es sich um notwendige Beratungsleistungen für den Umbau der Nürnberger Behörde und die Einführung des neuen Arbeitslosengeldes II. Diese fänden sich im Haushalt der Behörde wieder, der von Verwaltungsrat und Bundesregierung gebilligt worden sei.
Der Umbau der Behörde sei eine Mammutaufgabe
Gerster verteidigte zudem die Vergabe der Verträge. Der Umbau seiner Behörde sei eine Mammutaufgabe, vergleichbar mit dem Umbau der Post oder der Bahn. Eine "obrigkeitsstaatliche Organisation" werde zu einer an Dienstleistung orientierten Behörde umgebaut. Dabei sei Beratung unterlässlich. "Es gibt absolut keinen Grund, diese Beraterverträge zu skandalisieren."
Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios erhielten neben Roland Berger auch IBM, Ernst & Young und BearingPoint Aufträge im Wert von insgesamt 38 Millionen Euro. Wer wie viel im Einzelnen erhalten habe, sei unklar, berichtete die ARD. Fest stehe indes, dass Berger keineswegs allein von Aufträgen aus Nürnberg profitiert habe.
Gerster kann derzeit nicht mit Sicherheit sagen, ob Beraterverträge in Millionenhöhe ordnungsgemäß ausgeschrieben worden sind oder nicht. Einen Rücktritt schloss Gerster am Freitag aber aus. "Ich bleibe an Bord", sagte er. "Ich versuche, meinen Job auch in der Zeit, wo wir noch nicht sichtbare Erfolge vorweisen können, so gut zu machen wie es geht."
Vergabepraxis könnte "nachjustiert" werden
Die Bundesagentur nehme das Beratergeschäft derzeit unter die Lupe, sagte Gerster bei einem Firmenbesuch in Münster. Ein entsprechender Auftrag, alle Beraterverträge mit einem Volumen von über 200.000 Euro zu prüfen, sei im vergangenen Jahr an die Innenrevision der Behörde ergangen. Die Ergebnisse sollten mit dem Verwaltungsrat abgesprochen und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wenn es sich als nötig erweisen sollte, werde die Behörde die Vergabepraxis "nachjustieren".
Der Regelfall bei der Vergabe von Beraterverträgen sei aber die Ausschreibung. Er persönlich könne nicht in jedem Einzelfall prüfen, wie das Vergabegeschehen ablaufe. "Bei einem solchen Thema gehe ich aber nicht mit ungesicherten Informationen an die Öffentlichkeit", sagte Gerster.
"Ich werfe die Flinte nicht ins Korn", sagte Gerster auf die Frage, ob er amtsmüde sei. Er bleibe und habe die Hoffnung, dass die Öffentlichkeit ein richtiges Empfinden für die Skandalmeldungen entwickele, mit denen sich die BA konfrontiert sehe. Die CDU-Abgeordneten Dietrich Austermann und Bernhard Kaster forderten Gersters Entlassung. Der BA-Chef lasse trotz selbst genehmigter opulenter Ausstattung Kernaufgaben von Beraterfirmen für Millionensummen erledigen. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte der Chemnitzer `Freien Presse", die Rücktrittsforderungen an Gerster würden von dem neuen Vorfall untermauert. Er warf Gerster bewusste Täuschung des Bundestags vor. Bei der Anhörung im Wirtschaftsausschuss habe er mit keinem Wort die neuen Verträge erwähnt.