Neue Forderungen Gläubiger lassen Chrysler zittern
Detroit - Der US-Autobauer Chrysler kämpft ums Überleben - doch die Gläubiger verhandeln hart. Insidern zufolge fordern sie einen Anteil an der geplanten Chrysler-Allianz mit Fiat. Wenige Tage vor Ablauf einer Gnadenfrist hätten die Kreditgeber der Regierung in Washington einen Gegenvorschlag vorgelegt, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.
Demnach verlangen die Gläubiger im Gegenzug für die Schuldenlast von rund sieben Milliarden Dollar eine Beteiligung an der geplanten Allianz zwischen Chrysler und dem italienischen Autokonzern. Die US-Regierung hatte dagegen nahegelegt, dass die Chrysler-Gläubiger sechs Milliarden Dollar abschreiben.
Chrysler gehört seit der weitgehenden Trennung von Daimler dem Finanzinvestor Cerberus. Der Autokonzern steht unter anderem bei den Banken JP Morgan Chase, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley mit insgesamt rund sieben Milliarden Dollar in der Kreide. Die Schulden stammen von der Trennung von Daimler im Jahr 2007. Daimler hält noch knapp 20 Prozent, hat diese Investition aber vollständig abgeschrieben.
Wenn die Gläubiger für die gesamte Summe nun Anteile statt beispielsweise Barmittel oder neue Verpflichtungen nähmen, würde dies die Schuldenlast bei Chrysler reduzieren. Die US-Regierung hatte Chrysler Ende März eine Frist von 30 Tagen eingeräumt, um das Sanierungskonzept zu überarbeiten und eine Allianz mit Fiat zu schmieden. Davon macht Washington, das Chrysler Ende des Jahres mit vier Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen hatte, weitere Hilfen abhängig.
Nun jedoch bieten die Gläubiger der amerikanischen Regierung offenbar die Stirn. Laut US-Medien ist eine ganze Gruppe von Großbanken nur zu geringen Zugeständnissen bereit.
Die Gläubiger-Gruppe wolle statt der vom US-Finanzministerium verlangten 85 Prozent nur 35 Prozent ihrer Ansprüche in eine Minderheitsbeteiligung an Chrysler umwandeln. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf ein der Zeitung vorliegendes Angebot der Gläubiger.
Das Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für eine Einigung und einen überzeugenden Sanierungsplan von Chrysler läuft zum Monatsende in gut einer Woche ab. Eine weitere Bedingung Obamas ist der geplante Einstieg von Fiat bei Chrysler, der noch immer nicht in trockenen Tüchern ist. Bei einem Scheitern droht dem drittgrößten US-Autobauer die Insolvenz und womöglich gar das endgültige Aus.