Neue Green Cards Schröder gibt Wirtschaftsführern einen Korb
München - Er habe nicht die Absicht, über solche Forderungen nachzudenken, sagte Schröder nach dem Gespräch mit Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sowie den Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Hans-Peter Stihl, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Dieter Philipp. Er wolle in der Frage der Anwerbung ausländischer Fachleute "praktisch und pragmatisch vorgehen". In der Informationsbranche gebe es derzeit den größten Bedarf an Spezialisten und man sollte nun abwarten, wie das Green-Card-Programm laufe.
Die Bundesregierung will in den nächsten Monaten bis zu 20.000 Arbeitsgenehmigungen an Computer-Experten aus Nicht-EU-Ländern vergeben, um dem Fachkräftemangel der Branche abzuhelfen. Die deutsche Wirtschaft begrüßt die Aktion und möchte sie auf andere Branchen ausweiten.
Hundt sprach sich erneut für eine "Green Card" für ausländische Fachleute außerhalb der Computerbranche aus. Vor dem Spitzengespräch mit dem Kanzler sagte er, er werde den Bundeskanzler auffordern, 30.000 Spezialisten ohne viel Bürokratie ins Land zu lassen.
Auch der Chef des HWWA-Instituts für Wirtschaftsforschung in Hamburg, Thomas Straubhaar, plädierte für die Zuwanderung ausländischer Spitzenkräfte. In Zeiten einer technologischen Revolution könne es gar nicht genug Mobilität der Arbeitskräfte geben. Das Internet werde das Veränderungstempo für die gesamte Wirtschaft beschleunigen. "Alle zukunftsweisenden Wachstumsmärkte werden auf eine Zuwanderung von Spezialisten und Fachkräften angewiesen sein", so Straubhaar, der als Schweizer nicht zu den EU-Bürgern gehört.
Die Industriegewerkschaft Metall lehnt dagegen Green Cards für ausländische Experten generell ab. Die weitere Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes sei "weder sinnvoll noch notwendig", betonte der IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Er reagierte damit auf Forderungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), nach deren Schätzung bis zum Jahr 2003 rund 300.000 Fachkräfte in Deutschland fehlten.
Mit diesen "Horrorzahlen", so Zwickel, wolle die Industrie von eigenen Versäumnissen ablenken. Die Unternehmen böten immer weniger Ausbildungsplätze an. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze um 12.000 reduziert worden. Diese Versäumnisse könnten nicht plötzlich mit Green Cards gelöst werden. In Deutschland suchen nach seinen Angaben derzeit rund 32.000 EDV-Experten und 54.000 Ingenieure einen Arbeitsplatz. Dieses Potenzial müsse die deutsche Wirtschaft nutzen und endlich mehr für Ausbildung und Qualifizierung tun, forderte Zwickel.