Neue Strategie: PalmOne-Chef kritisiert Schwesterfirma - DER SPIEGEL
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Neue Strategie PalmOne-Chef kritisiert Schwesterfirma

Nach dem abrupten Abgang seines langjährigen Vorstandschefs will sich der Organizer-Pionier PalmOne noch stärker als bisher auf Handys konzentrieren. Der neue Übergangs-CEO Ed Colligan setzt gleichzeitig weiter auf das hauseigene Betriebssystem Palm OS - obwohl dessen Zukunft immer unsicherer scheint.
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Cannes - Colligan sagte SPIEGEL ONLINE, in der kommenden Woche werde sein Unternehmen neue Kooperationen mit Mobilfunkfirmen bekannt geben. Weitere Details nannte er zunächst nicht. PalmOne hat in Europa bisher kaum Netzbetreiber gefunden, die sein von Handy-Liebhabern viel gelobtes Smartphone Treo ins Sortiment aufnehmen. Während T-Mobile oder Vodafone in Deutschland hoch subventionierte Geräte von Blackberry oder Microsoft anbieten, bleibt PalmOne außen vor.

Diese Lücke würde Colligan gerne schließen "Es ist absolut wichtig, dass wir mehr mit den Carriern zusammenarbeiten", so der Manager. Colligan wurde Ende Januar vom PalmOne-Board, dem Kontrollgremium, überraschend zum Interimschef berufen, als der bisherige CEO Todd Bradley unter unklaren Umständen seinen Posten räumte.

Das ursprünglich unter dem Namen Palm bekannt gewordene Unternehmen ist mit so genannten Personal Data Assistants (PDAs) - elektronischen Terminkalendern - groß geworden. Das Segment wächst jedoch kaum noch, während der Markt für Smartphones explodiert. Inzwischen erwirtschaften die Kalifornier die Hälfte ihres Umsatzes mit Treo-Handys. Gleichzeitig verliert das PDA-Betriebssystem Palm OS immer weiter an Boden. Der einstige Platzhirsch wurde 2004 von Microsoft deklassiert. Redmonds Organizer-Betriebssystem Windows CE hat inzwischen laut dem Beratungsunternehmen Gartner einen Marktanteil von 48,1 Prozent, während Palm OS auf 29,8 Prozent abgestürzt ist.

Ein Produkt, zwei Strategien

Im Jahr 2003 hatte sich Palm in einen Hardwarehersteller (PalmOne) und eine für das Betriebssystem Palm OS zuständige Firma (PalmSource) aufgespalten. Deren Chef David Nagel scheint vom eigenen Produkt nur noch begrenzt überzeugt zu sein: PalmSource will sich ein zweites Standbein schaffen und Linux-Software für Telefone entwickeln. Dazu hat Nagel kürzlich das Unternehmen China Mobilesoft (CMS) gekauft.

Auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Cannes sprach Nagel lang und breit über die Vorzüge von Linux und schwärmte von den Möglichkeiten, die das Open-Source-Betriebssystem bietet. PalmOne, das für seine Geräte auf die Weiterentwicklung von Palm OS durch das Schwesterunternehmen angewiesen ist, müsste wegen Nagels Linux-Liebesaffäre eigentlich beunruhigt sein. Colligan bestritt jedoch, dass seine Schwesterfirma dem gemeinsamen Produkt abtrünnig werde. Er kritisierte aber zugleich, dass "die Kommunikation von PalmSource etwas verwirrend" sei.

Colligan sagte weiter, es gebe keine aktuellen Pläne, das erfolgreiche Gerätedesign des Treo für andere Handy-Betriebssysteme wie Linux, Symbian oder Windows zu lizenzieren. Grundsätzlich ausschließen wollte er dies jedoch nicht: "Wenn PalmSource die Plattform weiterentwickelt hat, kann man irgendwann vielleicht darüber nachdenken", so Colligan. Das Sortiment, das derzeit aus den Modellen Treo 600 und 650 besteht, soll nach seiner Vorstellung durch weitere Smartphones erweitert werden. Colligan: "Uns schwebt eine ganze Treo-Familie vor", die verschiedene Käufergruppen ansprechen solle. Eine entsprechende Ankündigung hatte freilich auch schon Ex-CEO Bradley getätigt - im Frühjahr 2004.

Apple der Smartphones?

Der langjährige Palm-Mitarbeiter glaubt offenbar wie sein Vorgänger, dass es möglich ist, mit Premium-Smartphones als Nischenhersteller erfolgreich zu sein. Konkurrenten von PalmSource wie Marktführer Symbian sind indes skeptisch, ob solch eine Strategie aufgehen kann. "Viele Netzbetreiber wollen, dass auf ihren Telefonen möglichst wenig unterschiedliche Software läuft, weil das Geld spart", sagt Symbians Marketingchefin Marit Døving.

Zum unerwarteten Abgang von Ex-CEO Todd Bradley sagte Colligan, dieser habe mit ihm zusammen PalmOne wieder profitabel gemacht und nun nach viereinhalb Jahren eine neue Aufgabe gesucht. Nach seiner Darstellung hat der Ex-CEO seinen Posten freiwillig zur Verfügung gestellt. Colligan bestätigte jedoch, dass die Trennung relativ plötzlich erfolgt sei: "Es ist nicht so, dass wir das schon ein Jahr lang geplant hätten."

Auch wenn es "möglicherweise von außen so aussieht, als ob es bei uns Chaos gibt, ist die Übergabe geordnet abgelaufen", so der Manager. Zu Frage, warum das Board von PalmOne ihn lediglich als Interimschef berufen habe, sagte Colligan: "Das Board unterstützt mich sehr." Er sei zurzeit der CEO und sehe gute Chancen, diesen Posten auch weiterhin ausüben zu können.

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