Neue Studie Dosenpfand vernichtet Tausende Arbeitsplätze
Berlin - "Für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt wurden für die Jahre 2003 und 2004 im Saldo über alle Entwicklungen Umsatzeinbußen von 578 bis 1,215 Millionen Euro errechnet. Auch der Saldo der Beschäftigungseffekte fällt mit einem Rückgang von 2700 bis 9700 Arbeitsplätzen negativ aus", heißt es in einer Prognos-Studie, die das Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hatte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und den Bundesrat auf, das Dosenpfand zu stoppen.
Bislang gilt die Pfandpflicht für Bier, Mineralwasser und Limonaden. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will die Verpackungsverordnung vereinfachen und das Pfand mit einigen Ausnahmen auf alle Getränke in Einwegpackungen ausweiten. Der von der Union dominierte Bundesrat muss der Novelle zustimmen.
Überschaubarer Nutzen für die Umwelt
Die größten Umsatzeinbußen errechnete Prognos für die Sektoren Getränke- und Gebindeherstellung. Danach werden die Getränkehersteller in diesem Jahr ein Minus in Höhe von 502 Millionen Euro und 2004 je nach Szenario Einbußen zwischen 386 und 419 Millionen Euro verbuchen. Die Gebindehersteller müssen in diesem Jahr mit einem Minus von 238 Millionen Euro rechnen. Im kommenden Jahr liegt die Schätzung zwischen einem Zuwachs von 64 Millionen und Einbußen in Höhe von 241 Millionen Euro. Profiteren wird der Maschinenbau, etwa durch die Anschaffung von Rücknahmeautomaten, mit einem geschätzten Plus zwischen 87 und 240 Millionen Euro im Jahr 2004.
Prognos zufolge hat sich im ersten Halbjahr 2003 die Nachfrage nach Erfrischungsgetränken stark verschoben. Bei den pfandfreien Fruchtsäften stieg der Absatz um gut zehn Prozent zum Vorjahreszeitraum. Der Absatz von Süßgetränken mit Pfand wie Cola und Limonaden ging im gleichen Zeitraum um knapp elf Prozent zurück. Vorratskäufe und Klimaschwankungen werden ebenfalls als Faktoren der Absatzentwicklung genannt.
Der ökologische Nutzen des Einwegpfands wird als gering eingeschätzt: Die Treibhausgas-Emissionen würden 2003 insgesamt um 0,04 Prozent sinken. Auch beim Energieverbrauch könnten nur 0,04 Prozent eingespart werden.
Bundesumweltministerium kritisiert Studie
Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums sprach im Zusammenhang mit der Studie von "erheblichen methodischen Defiziten". Dem Anspruch, die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen der Einführung der Pfandpflicht für Einweg-Verpackungen fundiert darzustellen, werde die Studie nicht gerecht. Haltlos seien auch die Aussagen, wonach die Einführung der Pfandpflicht zum Verlust von Arbeitsplätzen führe.
Auch der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels kritisierte die Studie. Das vorab bekannt gemachte Ergebnis der Prognos-Untersuchung "stimmt zumindest hinsichtlich der Arbeitsplatzauswirkungen im Getränkefachgroßhandel nicht mit den zur Verfügung gestellten Zahlen überein", erklärte der Verband in Düsseldorf. Allem Anschein nach sei in dem Bericht "besonderer Wert auf Negativauswirkungen der Pflichtbepfandung" gelegt worden.