Neue Verhandlungen Post leitet Verkauf der Postbank ein
Bonn - Noch ist die Mitteilung zurückhaltend formuliert: Die Post "tritt im Sondierungsprozess um die Zukunft der Tochter Postbank in eine intensivere Phase ein", hieß es am Mittwoch in der Konzernzentrale der Post in Bonn. Das Unternehmen stehe bereits in Gesprächen mit Interessenten für das Geldhaus, "die zügig und entschlossen geführt werden".
Die Deutsche Post prüfe, "in welcher Konstellation eine optimale Wettbewerbsposition für eine erfolgreiche Zukunft der Postbank zu schaffen ist", sagte ein Post-Sprecher. Eine Vorentscheidung über die Zukunft der Postbank sei damit aber noch nicht getroffen, betonte die Post. Postbank-Chef Wolfgang Klein werde vor dem Hintergrund der Gespräche über einen möglichen Verkauf der Postbank sein Mandat im Vorstand der Post vorübergehend ruhen lassen, hieß es.
Angesichts der Preisvorstellungen der Post steigen die Chancen für einen ausländischen Käufer, bei dem Geldhaus mit fast 15 Millionen Privatkunden zum Zuge zu kommen und damit eine wichtige Position auf dem deutschen Bankenmarkt zu übernehmen.
Die deutschen Interessenten Dresdner Bank, Commerzbank und Deutsche Bank seien nicht bereit, einen zweistelligen Milliardenbetrag für die Postbank auf den Tisch zu legen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Umfeld der potenziellen Käufer. Die vor Monaten noch gehandelte Summe von mindestens zehn Milliarden Euro sei im gegenwärtigen Marktumfeld unrealistisch.
Die Post führt seit längerer Zeit informelle Gespräche mit Interessenten. Als klares Signal für eine Veräußerung gilt die Ankündigung, dass Klein sein Mandat im Post-Vorstand vorübergehend ruhen lassen wird. Damit soll verhindert werden, dass der Postbank-Chef die Gespräche über einen Verkauf des Instituts selbst mit begleitet.
Die Bundesregierung, die über die Förderbank KfW an der Post indirekt mit rund 30 Prozent beteiligt ist, hat noch bis zum Jahresende ein Vetorecht bei einem Verkauf der Bank. Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte am Mittwoch aber, die Regierung werde sich aus dem Prozess heraushalten. Dieser sei allein Sache des Eigners Post. Der Bund werde keine Bedingungen stellen. In Finanzkreisen hatte es geheißen, dass der Bund möglicherweise Auflagen zu Stellenstreichungen geben wolle, was den Kaufpreis drücken würde. Auch war die Sorge laut geworden, der Bund könnte auf einer deutschen Lösung beharren und Käufern aus dem Ausland einen Riegel vorschieben.
Kaufgelegenheiten in großer Zahl
Auf dem deutschen Bankenmarkt gibt es so viele Gelegenheiten zu Übernahmen wie seit Jahren nicht mehr: Neben der Postbank und der Dresdner Bank steht auch die Deutschland-Tochter der von der Finanzkrise schwer getroffenen US-Großbank Citigroup zum Verkauf. Commerzbank und Dresdner Bank sondieren Kreisen zufolge ein Zusammengehen. Die Gespräche zwischen beiden seien viel weiter fortgeschritten als jene mit der Post, erfuhr Reuters aus informierten Kreisen.
Die Spekulationen über die Zukunft der Postbank hatten dem Kurs der Postbank-Aktie in den vergangenen Monaten starken Auftrieb gegeben. allein am Mittwoch legte der Kurs zeitweise um bis zu neun Prozent zu. Gegen 18 Uhr notierte das Papier noch mit knapp sieben Prozent im Plus.
"Für den Aktienkurs der Postbank werten wir die Möglichkeit eines Verkaufs ins Ausland positiv, weil sich damit die Zahl der Bieter erhöht", erklärte LBBW-Analyst Olaf Kayser. Einen weiteren Schub erhielten die Aktien der Post-Tochter am späten Morgen, als Gerüchte am Markt herumgereicht wurden, wonach Lloyds TSB 67 Euro pro Postbank-Aktie bieten könnte.
Einen Käufer aus dem Ausland würden auch die Gewerkschaften am liebsten sehen. Denn zuvor hatten Branchenexperten darauf hingewiesen, dass eine Dreierlösung mit Commerzbank und Dresdner die meisten Arbeitsplätze kosten würde.
Post-Finanzvorstand John Allan hatte den Anlegern immer wieder versichert, sich für steigende Kurse der "Aktie Gelb" stark zu machen. Bei einem Verkauf der Postbank können die Post-Anteilseigner auf eine Sonderdividende oder einen Aktienrückkauf hoffen. Die Post, die früher milliardenschwere Übernahmen gestemmt hatte, hatte jüngst größere Zukäufe ausgeschlossen.
mik/Reuters/AP