Neue VW-Sparmaßnahmen "Umbau in gewaltigen Dimensionen"
Wolfsburg - Europas größter Autokonzern Volkswagen gibt laut Branchenkreisen heute vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2005 bekannt. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg wollte dies am Donnerstag nicht kommentieren. Zudem tagt am heutigen Freitag das Präsidium des VW-Aufsichtsrats. Nach Medienberichten will VW- Vorstandschef Bernd Pischetsrieder dabei Pläne zur Stärkung der Ertragskraft vorstellen.
Angeblich sollen mehrere Komponentenwerke verkauft werden. Dort werden etwa Motoren, Getriebe und Achsen gefertigt. Dies sein ein zentraler Punkt der Pläne, die Vorstandschef Bernd Pischetsrieder auf der AR-Sitzung zur Stärkung der Ertragskraft und Sanierung der Marke Volkswagen vorstellen wolle, hieß es.
Das Unternehmen nahm zu den Berichten auf Anfrage zunächst keine Stellung. Der Wolfsburger Autobauer analysiert bereits seit Monaten, an welchen Stellen gespart werden kann, derzeit liegt das Kostenniveau in Deutschland deutlich über dem Branchendurchschnitt.
30.000 Betroffene an drei Standorten
Nach einem Bericht des NDR-Hörfunks in Hannover sollen von den Verkaufsplänen vor allem die Teilefertigung in Braunschweig, Salzgitter und Kassel betroffen sein. Der NDR zitierte Unternehmenskreise mit dem Satz: "Das wird eine Dimension erreichen, die alles bisher Bekannte übersteigt." Insgesamt arbeiten an den betroffenen Standorten rund 30.000 Menschen.
Wie "Focus online" berichtete, plant Volkswagen angeblich, die Arbeitszeit für die Beschäftigten ohne Lohnausgleich auszuweiten. Im Gegenzug solle auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden, wie im Tarifvertrag festgeschrieben ist. IG Metall-Sprecher Jörg Köther sagte: "Es handelt sich um Mediengerüchte, die wir nicht kommentieren." Das Unternehmen sei gefordert, Klarheit zu schaffen. Wenn dies hinreichend passiert sei, werde die IG Metall über Schlussfolgerungen beraten.
"Macht keinen Sinn", sagt der Betriebsrat
VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard hatte Anfang Januar gesagt, es deute sich an, dass viele Bereiche nicht wettbewerbsfähig seien. VW werde in den nächsten Monaten Konsequenzen aus der Analyse ziehen. Dabei gibt es laut Bernhard verschiedene Möglichkeiten - von der Sanierung, der Schließung, dem Zusammengehen mit externen Partnern bis hin zur Veräußerung von Bereichen.
Der Gesamtbetriebsrat macht Front gegen einen möglichen Verkauf von Komponentenbereichen. Es mache "überhaupt keinen Sinn", Know-how aus der Hand zu geben, machte Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh kürzlich geltend. Stattdessen müssten Entwicklung, Organisation und Fertigung verbessert und strategisch so aufgestellt werden, dass sie im Wettbewerb bestehen könnten.
Zu den kolportierten Streichungsplänen des VW-Managements erklärte Osterloh im NDR, dass das Vorhaben, so es denn tatsächlich geplant sei, von Arbeitnehmerseite abgelehnt werde.
Geschäftszahlen besser, aber noch nicht gut
Zum Ergebnis des vergangenen Jahres hatte Pischetsrieder Anfang Januar in Detroit angedeutet, der VW-Konzern habe 2005 im Vergleich zum Vorjahr wie prognostiziert sowohl das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen als auch das Ergebnis vor Steuern verbessert.
Pischetsrieder hatte aber zudem gesagt: "Besser ist immer noch schlechter als gut." 2004 hatte der VW-Konzern ein operatives Ergebnis nach Sondereinflüssen von 1,62 Milliarden Euro sowie ein Vorsteuerergebnis von 1,1 Milliarden Euro verzeichnet.
Pischetsrieder will das konzernweite Vorsteuerergebnis bis 2008 um vier Milliarden Euro verbessern. Ertragssäulen des Konzerns sind derzeit die Tochter Audi sowie die Finanzdienstleistungen. VW-Markenchef Bernhard erwartet bei der Sanierung der ertragsschwachen Marke erst in fünf Jahren "Licht am Ende des Tunnels".
itz/manager-magazin.de/dpa