Neuemissionen 2001 Mehr verloren als verdient
Berlin - Die Börse hat für deutsche Unternehmen erheblich an Attraktivität verloren. Wagten im Jahr 2000 noch 152 Aktiengesellschaften den Gang an die Börse und 1999 sogar 168 (ausgenommen der Freiverkehr), so waren es in diesem Jahr bislang erst 20, darunter auch die Windwelt AG, die in Frankfurt nur im Freiverkehr, in Düsseldorf jedoch im Geregelten Markt gehandelt wird.
Für den laufenden Monat hat sich mit der Baum AG nur eine Emission angesagt. Damit ist der Markt "fast zum Erliegen gekommen", sagte Claudia Brandt, Leiterin der Hornblower-Research-Abteilung zu mm.de. Die meisten Untenehmen, wie die Restaurant-Kette , hatten ihren Börsenstart aufgrund mangelnden Interesses seitens der Anleger abgeblasen.
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Eine Erholung erwarten Experten erst ab Mitte kommenden Jahres. "Wir rechnen fest mit einer Verbesserung", gibt sich Brandt zuversichtlich. Wegen des schwachen Börsenumfelds hätten viele Aspiranten ihre Emission zurückgestellt, ihre IPO-Pläne jedoch nicht gänzlich auf Eis gelegt.
Nur die Deutsche Börse glänzt
Parallel mit einer erwarteten Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte wird dann auch mit einer sanften Belebung des IPO-Geschäfts gerechnet. Etwas skeptischer hat sich Commerzbank-Vorstand Mehmet Dalman kürzlich im Gespräch mit dem "Handelsblatt" gegeben: "In den nächsten 12 bis 18 Monaten wird es keine Erholung bei den Neuemissionen geben."
Besonders drastisch war der Kursverlust des am Neuen Markt notierten Telekomdienstleisters LS Telcom . Die Aktie rauschte um annähernd 70 Prozent in den Keller.
Dabei hatten die Banken nach den Euphoriejahren 1999 und 2000 einige vorschnelle Emissionen eingeräumt und Besserung gelobt. Künftig sollten nur noch börsentaugliche Unternehmen mit einem soliden Geschäftsplan an den Kapitalmarkt gebracht werden. "Der Blick ist kritischer geworden", behauptet auch Brandt.
Mittlerweile gehört auch Sunways zu den Firmen, die 50 Prozent unter dem Emissionskurs notieren. Ebenfalls mit dabei: Triplan , Essanelle , Windwelt , OHB Teledata , Co.Don und LS Telcom . Der IT-Dienstleister Triplan ist in seiner kurzen Börsenkarriere sogar schon zum Penny-Stock verkommen. Zwischenzeitlich fiel das Papier unter die Ein-Euro-Marke.
Schwergewichte schlagen den Markt
Überdurchschnittlich gut hielten sich die großen Unternehmen. Die Deutsche Börse , mit einem Emissionsvolumen von 941 Millionen Euro das größte IPO in diesem Jahr, legte seit Februar um mehr als 20 Prozent zu. Der Flughafen-Betreiber Fraport (Emissionsvolumen 795 Millionen Euro), verlor seit Juni zwar knapp 23 Prozent, lag mit seinen Verlusten damit aber noch besser als der Durchschnitt.
Derzeit stehen auch wieder einige Schwergewichte in den Startlöchern. Mit einem Börsengang im kommenden Jahr ist bei den Telekomunternehmen T-Mobil und Arcor zu rechnen. Zudem bereitet der Stromversorger EnBW sein IPO vor.
Europaweite IPO-Flaue
In den europäischen Nachbarländern war das Emissionsgeschäft 2001 ähnlich flau. In Paris fügte die Euronext bis Ende September lediglich zehn Titel dem Kurszettel hinzu, in Italien wagten nur 15 Unternehmen den Sprung auf das Parkett. In Großbritannien standen 103 IPOs an.
Harald Grimm, manager-magazin.de