Neuer Airbus A350 XWB: Die Mogelpackung - DER SPIEGEL
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Neuer Airbus A350 XWB Die Mogelpackung

A350 XWB - der Name des jüngsten Sprosses aus dem Hause Airbus klingt so, als sei der Ladenhüter A350 einfach ein bisschen verbessert worden. Tatsächlich musste Airbus ein ganz neues Flugzeug entwickeln, das auch einen neuen Namen verdient hätte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Farnborough - Das Wort "Nachbesserung" ist in diesem Fall gelinde gesagt eine Untertreibung. Mit etlichen technischen Neuerungen wollte Airbus auf die zuletzt öffentlich geäußerte Kritik der Kunden reagieren, um dem A350 endlich zum Durchbruch auf dem Markt zu verhelfen. Doch von einer Modellpflege, wie es die Typenbezeichnung suggeriert, kann im Falle A350 nicht die Rede sein. Der Typ A350 XWB, den Airbus heute auf der Luftfahrtschau in Farnborough präsentierte ist - folgt man den technischen Eckdaten - ein völlig neues Flugzeug.

Airbus-Chef Streiff: "Design ohne Kompromisse"

Airbus-Chef Streiff: "Design ohne Kompromisse"

Foto: AFP

Wahrscheinlich wollten sich die Europäer die Schmach ersparen, öffentlich die Pläne für einen neuen Jet zu zerreißen, noch bevor die erste Maschine überhaupt eine Montagehalle verlassen hat. Das A350 im Namen des neuen Langstreckenjets wird, so hoffen die Marketingexperten wohl, den Flop mit der ersten Version vergessen machen.

Der Zusatz XWB, der für Extra-Wide-Body steht, lässt bereits die wichtigste Veränderung erkennen: Der Flugzeugrumpf wird deutlich größer ausfallen als der des Ursprungsentwurfs, der lediglich eine Weiterentwicklung des alten A330 darstellte. Dem geänderten Rumpfdesign werden auch die Tragflächen angepasst. Kabelsystem und das Cockpit werden vom A380 übernommen. Neue Triebwerke sollen nicht nur mehr Leistung versprechen, sondern darüber hinaus noch mehr Sparsamkeit. Airbus will zudem nun drei statt zwei verschiedene Varianten des A350 auf den Markt bringen.

"Das ist ein komplett neues Design, ohne Kompromisse und unter Nutzung der modernsten Technik", sagte denn auch der neue Airbus-Chef Christian Streiff heute auf der International Air Show im britischen Farnborough. In drei Monaten werde man den Kunden detaillierte Pläne des neuen Flugzeugs präsentieren können. Dann werde die Vermarktung beginnen.

Zahlreiche Kunden forderten Nachbesserungen

Mit einer Überarbeitung des ursprünglichen A350-Modells hatten Branchenkenner schon seit längerer Zeit gerechnet, nachdem sich zahlreiche potentielle Kunden über die Ursprungsversion beschwert hatten und entsprechende Nachbesserungen am Design gefordert hatten.

EADS-Co-Vorstandsvorsitzender Tom Enders hatte am Wochenende angekündigt, dass die Kosten für die Entwicklung der neuen Maschine möglicherweise bei umgerechnet knapp acht Milliarden Euro liegen könnten. Ursprünglich war Airbus umgerechnet von 4,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Der A350 soll im Segment der Langstreckenflugzeuge mit 200 bis 300 Sitzen gegen den ebenfalls neuen Dreamliner und die größere B777 des amerikanischen Konkurrenten Boeing antreten. Während Airbus für den A350 bislang rund 100 Bestellungen erhalten hat, kommt Boeing mit der bereits seit längerer Zeit vermarkteten B787 bislang auf 360 Bestellungen.

Der A350 XWB soll nun ab Mitte 2012 auf den Markt kommen und damit zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Ausgeliefert werde das Langstreckenflugzeug erstmals 2014.

Für den überarbeiteten A350 will Airbus entgegen bisheriger Pläne doch Subventionen in Anspruch nehmen. Airbus bemühe sich um staatliche Unterstützung und Beihilfen, kündigte Verkaufschef John Leary heute auf der Luftfahrtschau an. Vor dem Hintergrund des Beihilfestreits zwischen den USA und Europa hatte Airbus für die erste Version des A350 zwar Beihilfen beantragt, aber erklärt, diese nicht beanspruchen zu wollen. Nach dem Scheitern der ersten Version betragen die Entwicklungskosten nach Airbus-Angaben rund zehn Milliarden US-Dollar.

Was den Großraumflieger A380 angeht - da ist Airbus "vorsichtig optimistisch", neue Aufträge für den A380 bekanntgeben zu können, sagte Verkaufschef John Leahy heute. Airbus war in erster Linie wegen der Lieferverzögerungen bei dem gut 300 Millionen Dollar teuren Flugzeug jüngst in eine Krise geraten.

Auch Boeing hat Probleme

Doch nicht allein Airbus hat mit Entwicklungsproblemen zu kämpfen. Auch der US-Erzrivale Boeing musste heute morgen Probleme mit seinem allerneuesten Jet einräumen: Der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, Alan Mulally, berichtete von Gewichtsproblemen bei der B787 Dreamliner und Verzögerungen bei Lieferanten. Die ersten Auslieferungen des als besonders spritsparend geltenden Flugzeugs sollten aber wie geplant 2008 erfolgen. "Für eine neue Maschine läuft die Fertigung gut", sagte Mulally.

Mit der neuen Boeing 787 "Dreamliner" reagiert der US-amerikanische Hersteller auf steigende Ölpreise und wachsenden Kostendruck bei den Fluggesellschaften. Hervorgegangen aus dem Entwurf eines "Super Efficient Airplane" steht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, aber auch auf Umweltfreundlichkeit wird Wert gelegt.

Der Kerosinverbrauch soll durch neuentwickelte Triebwerke, geringeres Gewicht und eine verbesserte Aerodynamik rund 20 Prozent niedriger sein als bei vergleichbaren jetzigen Modellen. Angestrebt wird ein Verbrauch von 2,4 Liter je 100 Kilometer und Passagier. Die Maschine soll zudem bis zu 60 Prozent weniger Lärm verursachen.

Der Rumpf des neuen Jets soll größtenteils in Leichtbauweise aus modernen Verbundwerkstoffen gefertigt werden. Bisher dominieren Aluminiumkonstruktionen den Flugzeugbau.

Boeing plant drei Versionen der 787: Für die Langstrecke bis zu 16.000 Kilometer das Basismodell 787-8 mit Platz für 210 bis 250 Reisende sowie die 787-9 mit 250 bis 290 Plätzen. Hinzu kommt für die Kurzstrecke die 787-3 mit 290 bis 330 Sitzen. Wie viele Sitzplätze tatsächlich eingebaut werden, entscheiden die Fluggesellschaften. Für 2007 ist der Jungfernflug geplant, im Jahr darauf sollen die ersten Passagierflüge starten.

mik/tim/Reuters/AFP/dpa

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